Samstag, 1. März 2008

Israelische Bodenoffensive bei Jabalya, EU-Regierungen schauen dem Massaker schweigend und tatenlos zu

rhbl

Wie die Zeitung Haaretz um 19.02 Uhr Ortszeit meldete, hat die den wenigen Widerstandskämpfern der Hamas in Gaza hunderttausendfach überlegene IDF eine Bodenoffensive mit Panzern, schwerer Artillerie und Luftangriffen im Gazastreifen - ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung - nahe der palästinensischen Stadt Jabalya begonnen. Die deutschen Zeitungen, die ganz überwiegend im Besitz jüdischer Familien sind und von proisraelischen Journalisten redigiert werden, schweigen. Die EU-Regierungen schauen dem verbrecherischen IDF-Treiben im Nahen Osten tatenlos zu.

Wie die NZZ meldet, will der UN-Sicherheitsrat erst am Montag über einen von Libyen eingebrachten Resolutionsentwurf beraten, in dem die Tötung von palästinensischen Zivilpersonen verurteilt wird. Der Entwurf fordert ein sofortiges Ende der israelischen Militäreinsätze und der palästinensischen Raketenangriffe auf israelisches Gebiet. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Israel in einem schwachen Statement aufgerufen, seine Angriffe im Gazastreifen einzustellen und verurteilte lediglich den "unverhältnismässigen und übertriebenen Einsatz von Gewalt".

An eine Versorgung der massenhaft anfallenden Verletzten in den palästinensischen Krankenhäusern ist nicht zu denken, weil infolge der neunmonatigen Total-Blockade durch Israel weder Medikamente noch Verbandsmaterial in Gaza zur Verfügung stehen. Wegen Spritmangel ist ein großer Teil der palästinensischen Krankenwagen mit leerem Tank am Straßenrand liegengeblieben. Der am Vorabend der Bodenoffensive ausgeführte überdimensionierte israelische Bombenangriff auf das nach einem früheren Bombenangriff bereits zerstörte und leerstehende Innenministerium in Gaza City hat "ganz zufällig und nebenbei" die danebenliegende Hauptklinik der PMRS (Palestinian Medical Reflief Society) getroffen. Ein nach Art der LIKUD eiskalt und menschenverachtend kalkulierter, vorsätzlicher Verstoß gegen die IV. Genfer Konvention. Denn so konnte die IDF das palästinensische Hauptvorratslager für Medikamente, Verbandsstoffe und medizinische Apparate genau einen Tag vor dem Beginn der israelischen Militärinvasion in Nord-Gaza (Gaza-Lagekarte, Le monde diplomatique, Stand Sept. 2005) völlig zerstören.

Mehr als sechzig Palästinenser und zwei IDF Soldaten wurden in den letzten 24 Stunden bei der angeblichen Routineoperation bereits getötet. In Wahrheit handelt es sich um eine einzigartige völkerrechtswidrige, verbrecherische Aggression. Es geht um ein unterschiedsloses, feiges Bombardieren einer zivilen Stadtbevölkerung und damit um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, (s.a. Ulrike Putz in DER SPIEGEL).

Seit Mittwoch sind mehr als 100 Palästinenser, darunter viele Kinder, den israelischen Mordanschlägen zum Opfer gefallen. Auf der Website Free Gaza werden stündlich neue, erschütterndere Bilder der vielen Opfer ins Internet gestellt.

Zu den getöteten Palästinensern zählen deshalb so viele Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder, weil bei den Luftangriffen die verschiedensten Stadtviertel des extrem dichtbesiedelten Gazastreifens von der israelischen Luftwaffe wahllos und auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag nahezu ohne Unterbrechung mit unverhältnismäßigen Mitteln mit Maschinenkanonen und Raketen angegriffen und bombardiert werden. Bei diesen massiven Luftangriffen gegen die Zivilbevölkerung sollen angeblich "Werkstätten zur Herstellung von Kassamgeschossen" zerstört werden. Als Begründung dient die Behauptung, es handle sich bei den "IDF-Militärschlägen" um Revanche für den Beschuss israelischen Gebiets durch Kassamraketen.

Fakt ist, dass die Hamas mit dem Kassambeschuss bisher immer nur auf massive Luftangriffe der IDF reagiert hat. Eine Welle von Kassam wurde von der Hamas stets nur gestartet, wenn wieder aus heiterem Himmel eine "gezielte Tötung" erfolgt war, auf deutsch, wenn von einem Apache-Hubschrauber oder Kampfflugzeug Palästinenser auf offener Straße durch Luft-Boden-Raketen umgebracht worden waren. Es handelt sich um öffentliche Hinrichtungen auf Verdacht, wie sie in keinem Rechtsstaat der Erde denkbar wären. Zuletzt wurden fünf Palästinenser in Khan Yunis Opfer eines solchen Mordanschlags, weil sie der Shin Beth im Visier hatte. Das bestätigt auch der Haaretz-Korrespondent Amos Harel in seinem Kommentar "Hamas response" in der Zeitung Haaretz vom 28.02.2008. Dort werden als treibende Kräfte der israelischen Militaristen der Premierminister, der Mossad-Sondereinsatzleiter und Kriegsminister Ehud Barak und die besonders rabiate Außenministerin Tzipi Livni genannt.

Wenn das israelische Blutbad unter den Palästinensern nicht sofort gestoppt wird, könnte es rasch zu einem unkontrollierbaren Nahostkrieg eskalieren. Die Türkei hat ihre Invasion in den Nordirak termingerecht am Samstag beendet, wie auch die deutsche Bundesmarine das Kommando über die Wachflotte im östlichen Mittelmeer zufällig zum gleichen Zeitpunkt an Italien übergab. Saudi-Arabien und Kuwait haben ihre Bürger bereits aus dem Libanon zurückgerufen. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat inzwischen sämtliche Friedensverhandlungen und Kontakte mit Israel abgebrochen.

Die der Christlich-Demokratischen-Union angehörende Kanzlerin Merkel, die ganz offensichtlich vor wenigen Tagen von Herrn Olmert in die israelischen Pläne eingeweiht und vergattert wurde, schweigt tatsächlich und unternimmt wie die anderen EU-Regierungen nichts Erkennbares, um dem mörderischen Treiben der IDF im Gazastreifen Einhalt zu gebieten.

Der Papst Benedikt XVI. hat die Verantwortlichen im Nahen Osten dazu aufgerufen, der Gewalt im Gazastreifen „ohne Vorbedingungen“ ein Ende zu bereiten. Das Ausmaß der Spannungen im Gaza-Streifen sei nur noch schwer zu ertragen. „Nur im absoluten Respekt vor dem menschlichen Leben, auch dem des Feindes, kann der jungen Generation beider Völker, die ihre Wurzeln im Heiligen Land haben, die Hoffnung auf Frieden und Zusammenleben vermittelt werden“ (rv/kna).

scusi!

Die Welt ist eine Bühne, auf der ein jeder seine Possen agieret und hin und her tanzet, bis dass ihn unser aller Herr und Meister hinwegberufet. (G.Chr. Lichtenberg)

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