Mittwoch, 8. Oktober 2008

Konzeptionslos in die Kernschmelze des Kapitalismus

rhbl

Richard Wagner`s Ouvertüre zum "Fliegenden Holländer" (Orchester der Deutschen Oper Berlin, Leitung: Giuseppe Sinopoli) ist die richtige Begleitmusik zu den neuesten Horrornachrichten der Internationalen Finanzmärkte. War doch der Tulpenzwiebelskandal Anfang des 17. Jahrhunderts in Holland der erste Börsencrash in der westlichen Hemisphäre, bei dem kriminelle Finanzbetrügereien und freche Eigentumsdelikte in Kombination mit dem massenpsychologischen Phänomen der unkontrollierten Raffgier zu einer Spekulationsblase ungeheuren Ausmaßes führten.

„Der Tulpenboom dauerte etwa von 1634 bis 1637. Im Januar 1637 stieg der Preis für Tulpenzwiebeln um das 24fache. Im Februar erfolgte dann der plötzliche Absturz. Die Preise waren so hoch gestiegen, dass nun jeder die Gewinne mitnehmen wollte. Es kam nach dem Schneeballprinzip zu einer regelrechten Verkaufsorgie. Jeder wollte schließlich retten, was noch zu retten war. Hollands Regierung versuchte, die wirtschaftliche Katastrophe aufzufangen. Hilflos und natürlich ohne Erfolg erklärte sie den Verfall der Preise für grundlos. Alle Auffangmaßnahmen scheiterten am rasanten Preisverfall der Tulpenzwiebeln, die zum Schluss weniger als Gemüsezwiebeln wert waren.

Nach dem Zerplatzen der Spekulationsblase folgte eine tief greifende Depression. Die ruinierte auch alle, die noch rechtzeitig und mit Gewinn ihre Tulpenzwiebeln verkauft hatten“ (Andreas Lojewski).


Geldabheber

Schlange vor der Bank, Kunden versuchen ihr Erspartes bei Northern Rock zu retten


So wie vor fast 400 Jahren den Tulpenzwiebeln wird es in der aktuellen Weltfinanzkrise den von der Wall Street zur Finanzierung des Irakkriegs erfundenen Ramschpapieren ergehen, die von den üblichen Verdächtigen und ihren deutschen Helfershelfern (Frau Kohl, Herr Lehmann und viele, viele andere in Film, Funk, Fernsehen und Presse) dem biederen deutschen Bürger seit 2003 als enorm lukrative „Wertpapiere“ angepriesen wurden.

Die im Rotwelsch der kriminellen angloamerikanischen Börsenbetreiber unter tausend falschen Namen und verwirrenden Bezeichnungen als Garantieanleihen, commercial papers, Derivate, Subprime-Papiere, credit default swaps oder schlicht als Zertifikate auf den Markt geworfenen Papiere waren keine Wertpapiere sondern meist nur irreführend verpackte, verlustbringende Wettvereinbarungen. In den USA ermittelt das FBI. Die Öffentlichkeit hat auch in Deutschland ein Interesse an der Aufklärung, wer sich an an diesem Jahrhundertverbrechen beteiligt hat.
Wo bleibt der Staatsanwalt?

Bei Wetten, das weiß jeder, gewinnt automatisch der Wettveranstalter über die Wettgebühr, recht selten der Spieler. Auch Banken sitzen gegenüber dem Bürger am langen Hebel. Die Goldmänner als globale Wett-Casinobetreiber und sogenannte US-Investmentbanker haben bis vor drei Wochen am längeren Hebel gesessen. Dann brach ihr betrügerisches Schneeballsystem aus toxischen Zertifikaten mit der Pleite des Casinos der Lehman Brothers in New York zusammen. In Deutschland ist der Betrieb von Kettenbrief- und Schneeballsystemen zwar strafbar, doch weil entscheidende Schlüsselpositionen des bundesdeutschen Sicherheits-, Justiz- und Finanzsystems nach 1989 noch gezielter als je zuvor mit Wall Street - affinen Verwandten der Goldmänner und Lehfrauen besetzt worden sind, ist mit einer Verfolgung der amerikanischen Straftäter und ihrer deutschen HelfershelferInnen in deutschen Banken oder bei der BaFin nicht zu rechnen. Falls ein Ermittlungsverfahren in Gang käme, würde es im Sande verlaufen.

Es ist kein Zufall, dass auf der Startseite der BaFin vier relativ jüngere Damen neben zwei ältere Herren abgebildet sind. Karriere konnte im bundesdeutschen Finanzwesen in den letzten zwanzig Jahren grundsätzlich nur machen, wer weiblich, jung und unerfahren war. Die Extraseite Familie & BaFin, die eigentlich "Nur Milchmädchen machen bei BaFin Karriere" heißen müsste, sagt alles. "Keine Ahnung" war das Leitmotiv dieser feministischen Quoten-Generation von unbedarften "Chicago-Girls", die nach den "üblichen Verdächtigen" für die jetzigen katastrophalen Zustände im deutschen Finanzwesen maßgeblich mitverantwortlich sind.

Das war, wie man jetzt sieht, von oben, aus Washington und New York, so gewollt. Wer nur die eigene Karriere und die Gleichstellung im Blick hat, vernachlässigt die eigentliche berufliche Aufgabe. Hinzu kam noch die von den Herren Eichel und Steinbrück zu verantwortende organisierte Unverantwortlichkeit im Bereich der Deutschen Bankaufsicht, wo neben der dilettantisch agierenden BaFin auch die Bundesbank Aufsichtsaufgaben hatte. Es war, wie ich schon vor einem Jahr hier geschrieben habe, bestimmt kein Zufall, dass sich in der kritischsten Phase des Geschehens "seit 2002 zwei Bankaufsichten gegenseitig lähmten und niemand diesen Unfug abstellte" (Westerwelle).

Der schrittweise Zusammenbruch des gesamten kapitalistischen Geldmarktsystems in Form einer Kettenreaktion dürfte mit dem Staatsbankrott Islands beginnen. Nach den finanziell ohnehin chronisch wirtschaftsschwachen Offshore-Inseln wie Irland oder Großbritannien werden auch die durch den mehr als drei Billionen Dollar teuren Irakkrieg und den ähnlich kostenintensiven Afghanistankrieg finanziell ausgelaugten USA abstürzen. Das seit der Zerstörung der Sowjetunion in der Klemme sitzende Russland, stark exportabhängige asiatische Länder wie Japan und China oder europäische Exportmächte wie Italien, Frankreich und nicht zuletzt Deutschland können ebenfalls in den finanziellen Abgrund, in eine Weltwirtschaftskrise schlimmer als 1929 gerissen werden. Die Folge wäre Not und Elend bei der Unter- und Mittelschicht auch im sogenannten "Westen", während die Reichen ihre Spekulationsgewinne in Gold schon längst weltweit in sicheren Depots gebunkert haben.


armenkueche
Schlange vor der Armenküche, Berlin 1923


Dass dies so kommen muss, das zeigt das exorbitante, von keiner Macht der Erde allein mehr beherrschbare Mengengerüst der Finanzkrise. Dazu gehört zunächst die enorm große Menge von "Wertpapieren", die in Umlauf gebracht wurden. Derivate im Nennwert von 516,4 Billionen Dollar sollen laut Wikipedia in der ersten Jahreshälfte 2007 im Umlauf gewesen sein. "Wertpapiere", die zu einem unbekannt großen Teil toxisch-verschmutzt, d.h. wertlos sind.

Die Subprimekrise in den USA gilt als Auslöser der bis heute anhaltenden, sich täglich verschlimmernden Weltfinanzkrise. Leute, die so gut wie nichts verdienten, hatten Häuser gekauft, die nichts wert waren. Für den Ankauf hatten sie toxische Hypotheken (Subprime) erhalten, die sie nicht bedienen konnten. Ratingagenturen, die auch für die Hypothekenbanken arbeiteten, hatten das für gut (AAA) befunden. Im September 2008 sprach der Internationalen Währungsfonds von Verlusten für das Finanzsystem von schätzungsweise 1,3 Billionen US-Dollar, wovon ein Teil inzwischen durch Abschreibungen und Kapitalerhöhungen abgewickelt sein soll. Die 700 Milliarden Dollar für ein Rettungsprogramm zugunsten der beteiligten Banken reichen also höchstens für die Hälfte der schon eingetretenen Verluste, decken nur fünf Prozent der in den USA insgesamt vergebenen Hypotheken ( ca. 14 Billionen Dollar) ab.

Typisch toxische Folgeprodukte des US-Hypothekenmarktschwindels waren die Mortgage Backed Securities (MBS) ( s. auch: FANNY MAE und FREDDY MAC). MBS sind hypothekarisch besicherte Anleihen, also durch Vermögenswerte gesicherte Wertpapiere, deren Bargeldflüsse durch die Zins- und Tilgungszahlungen eines Pools von Hypotheken getragen werden. Im Gegensatz zu Pfandbriefen erscheinen sie praktischerweise nicht in der Bilanz der ausgebenden Stelle (z.B. eine Bank).

Der Gesamtmarktwert aller offenen US-amerikanischen MBS am Ende des ersten Quartals 2007 war ungefähr 4,1 Billionen US-Dollar. Dies ist deutlich mehr als der Marktwert aller übrigen offenen forderungsbesicherten Wertpapiere. Der MBS-Markt übertrifft damit seit dem Jahr 2000 auch den Markt für US-Schatzanweisungen und Anleihen.

Collateralized Debt Obligation (CDO) sind ähnlich "kreative" Finanzinstrumente, die zu der Gruppe der forderungsbesicherten Wertpapiere (Asset Backed Securities) und strukturierten Kreditprodukte gehören. Das Ausfallrisiko steigt - aufgrund der nachrangigen Bedienung im Fall eines Ausfalls - mit sinkendem Rating, daher bietet die Equity Tranche als Ausgleich den höchsten Coupon. CDOs sind ein wichtiges Refinanzierungsmittel für Banken auf dem Kapitalmarkt. Von seiten einiger Medien wurde die Komplexität von CDO-Produkten und das Versagen der Ratingagenturen bei der Bewertung dieser Instrumente für die finanziellen Verwerfungen der Finanzkrise 2007/2008 verantwortlich gemacht. (Wie CDO funktionieren sollten, versucht diese hübsche FLASH-Animation zu zeigen).

Auction Rate Securities sind ein weiteres toxisches Finanzierungsinstrument, welches in der Regel von Unternehmen oder Kommunen in den USA genutzt wird. Es handelt sich dabei um langlaufende (meist 20 bis 30 Jahre) Anleihen mit variablen (nach oben begrenztem) Zinssatz. In den USA gab es Anfang 2008 einen Markt für Auction Rate Securities im Volumen von ca. 330 Milliarden US-Dollar. Anfang 2008 gerieten die US-Großbanken, welche die ARS vermittelten, in Bedrängnis. Gleichzeitig griff am Markt eine allgemeine Furcht vor ungesicherten Krediten um sich, sodass plötzlich kaum noch Bieter für diese Art von Anleihen verfügbar waren. Als Ergebnis sprangen die Zinssätze für die Kreditnehmer schlagartig auf den maximal möglichen Betrag und die „alten Bieter“ waren nicht mehr in der Lage, ihr gegebenes Kapital kurzfristig liquide zu machen.

Die US-Börsenaufsicht SEC und Aufsichtsbehörden mehrerer US-Bundesstaaten leiteten in Folge dieser Entwicklung gegen eine ganze Reihe beteiligter Banken Ermittlungsverfahren ein, da die Banken den Bietern die Investition in Auction Rate Securities als jederzeit liquidierbare Geldanlage verkauft hatten. Im August 2008 lenkten die Großbanken ein und verpflichteten sich in einem Vergleich mit der SEC und den Aufsichtsbehörden, Anleihen in Milliardenhöhe von verkaufswilligen Investoren zurückzunehmen und außerdem ein Bußgeld für falsche Angaben bei Vertrieb von Finanzprodukten an die SEC zu entrichten. Bisher wurden von US-Großbanken ARS-Papiere für 55,4 Milliarden Dollar zurückgekauft und Hunderte von Millionen an Bußgeldern gezahlt (Die Definitionen der jeweiligen US-Schwindelpapiere habe ich aus Wikipedia übernommen, siehe dort jeweils weitere Nachweise).


Die gegenüber der Weltwirtschaftskrise von 1929 enorm gestiegene Komplexität der US-Schwindel- und Schrottpapiere macht die Krise völlig unüberschaubar (Joseph E. Stiglitz). Von den Wall Street-Betrügern wurden zwecks Befriedigung der eigenen Raffgier und zur Finanzierung der laufenden Kriege der USA offenbar systematisch „Schein-Produkte“ in Umlauf gebracht. Das diente der Umverteilung der in den USA aufgestauten Inflation auf Europa und den Rest der Welt.

Wie beim betrügerischen Cross Border Leasing, bei dem 700 deutsche Kommunen vermutlich hunderte von Millionen in den Sand gesetzt haben, sind die mit den betrügerischen "US-Wertpapier"-Geschäften zusammenhängenden strafrechtlichen Fragen bis heute ungeklärt. Untersucht werden die bisherigen Konstruktionen in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Untreue (§ 266 StGB), begangen durch die staatlichen/privaten Entscheidungsträger, die die Verantwortung für die geschlossenen Verträge tragen.

Bankmanager sind in der Regel nicht dingfest zu machen, weil es im Prozeß sehr schwer ist, ihnen Vorsatz nachzuweisen. Gesetzesinitiativen, die 2001 nach der Pleite am "Neuen Markt" gestartet worden waren, um die Haftung der Manager zu verschärfen, sind dank der Lobbyarbeit der Industrie- und Bankenverbände versandet. Der Chef der jetzt quasi bankrotten Depfa Bank in Irland wurde 2007 nach dem Verkauf an die Hypo Real Estate mit einem goldenen Handschlag von 100 Millionen Euro in die Rente geschickt.

Die betrügerische Absicht der US-Banker ergibt sich m. E. zunächst aus der vorsätzlich wirtschaftlich undurchsichtigen und rechtlich hochkomplizierten Konstruktion der Schrottpapiere, sodann aus der absichtlich unübersichtlich gestalteten Vielfalt der „toxic assets“ (350.000 Arten von Zertifikaten) und ihrer Flüchtigkeit in den Vertriebswegen der globalen elektronischen Computersysteme. Nach dem Mafia-Grundsatz, wonach das beste Versteck für einen Mann eine Großstadt und für ein Buch eine große Bibliothek ist, haben die Goldmänner weltweit hunderte Millionen von ihren faulen Zertifikaten in hunderten Milliarden von normalen Wertpapieren versteckt. Das war der eigentliche Zweck der sogenannten "Globalisierung".

Weil die exotischen US-Zertifikate, die unter den verschiedensten, für Bundesbürger unverständlichen englischsprachigen Bezeichnungen gehandelt wurden, in aller Regel keinerlei Wert repräsentierten, hätten die Ramschpapiere der US-Börsen-Verbrecher an deutschen Börsen niemals zugelassen werden dürfen. Allein bei der Frankfurter Sparkasse sollen sich bis gestern 5000 Geschädigte gemeldet haben. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 hätte die Frankfurter Bürgerwehr den Geschädigten die Herren Schröder, Hombach, Eichel, Clement etc. zu Zwecken der Selbstjustiz übergeben. In Hamburg sind 1929 entlarvte Finanzbetrüger und deren Politikeranhang auf Bollerwagen und Handkarren in Schimpf und Schande erst an den Pranger gestellt und dann aus der Stadt gejagt worden.

Weltweit sollen etwa 350.000 verschiedene Arten von Zertifikaten auf dem Markt gehandelt werden. „Ein Zertifikat ist ein Wertpapier, das eine Zweitverbriefung eines Basiswertes oder -papiers darstellt. Es zählt zu den Derivaten und den strukturierten Finanzprodukten. Erstmals wurde 1989 ein Zertifikat von einer Bank emittiert und an der Börse gehandelt. Zertifikate sind klassische Retail-Produkte vorwiegend für Privatkunden; sie werden im Gegensatz zu Fonds vorwiegend direkt vertrieben“ Wikipedia

Vor 1989 gab es in Deutschland nur ca. 50 verschiedene Arten von Wertpapieren, von denen nur ein Dutzend für den Sparer von Belang waren. Die Regulierung nach dem Wertpapierrecht war streng. Das System funktionierte. Ich habe z.B. mein Erspartes ausnahmslos immer nur in festverzinsliche Wertpapiere wie deutsche "Bundesschätze" oder Deutsche Rentenfonds investiert. Das waren übersichtlich strukturierte Wertpapiere, die selbst ich noch verstehen konnte.

Das deutsche Wertpapiersystem* war bis 1989 selbst für Laien gerade noch überschaubar, wie die Übersicht über die verschiedenen Wertpapierarten aus Gablers Wirtschaftslexikon zeigt:

WP2

Übersicht: Klassische deutsche Wertpapierarten bis 1989 in schwarzen Kästchen; rechts unten in roten Kästchen von mir angedeutet die ungeheure Flut des neuerdings hinzugekommenen US-Giftmülls: z.B. US-Zertifikate (Derivate) (Doppelklick zum Vergrößern, Thumbnail mit Pop Up)

Erst 1989, mit dem Fall der Mauer, warfen die Wall Street – Betrüger in großem Stil ihre heute 350.000 verschiedenen Arten von gezinkten Zertifikaten/Derivaten auf den Weltmarkt. Vorzugsweise wurden diese toxic assets an den Börsen des wohlhabenden Deutschland angeboten, denn bei den fleißigen Deutschen war weltweit am meisten zu holen. Deutschland wurde mit Giftmüll-Zertifikaten richtiggehend geflutet. Möglich wurde das nur durch systematische Kollusion der führenden Journalisten in unseren proisraelischen Medien und durch das ungeheuerliche "Versagen" der Banker und der zuständigen BeamtInnen in den Einrichtungen zur Finanzaufsicht.

Entschuldigend könnte man für manche Wessis und Ossis anführen, dass sie nach 1989 überlastet waren, weil die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ihre ganze Aufmerksamkeit band. Das totale Versagen des Staates legt nahe, dass es systematisch gesetzte, kriminelle Elemente und Weggucker in der Justiz, bei den zuständigen Sicherheitsbehörden und mehr als "neoliberale" Mitspieler an höchster Stelle im politischen Berlin, in der Bankenmetropole Frankfurt und anderswo in Deutschland gegeben hat und noch gibt. Der soziale und demokratische Rechtsstaat Deutschland ist scheinbar an den für Finanzaufsicht zuständigen Stellen seit 1989 systematisch unterwandert und unterminiert worden.

Anders ist das flächendeckende Einsickern der Schmutz- und Giftpapiere in Deutschland nicht zu erklären. Die üblichen Verdächtigen, mit den Lehfrauen und Goldmännern aus New York direkt oder über drei Ecken familiär verbandelt, sorgten auf allen Lobby-Ebenen höchst diskret dafür, dass mit dem Investmentmodernisierungsgesetz und dem Finanzmarkförderungsgesetz den Heuschrecken und Finanzbetrügern in Deutschland Tür und Tor geöffnet wurde. Der Filz ist so dicht, dass die Beteiligten vermutlich straflos ausgehen.

Wie im Umweltschutz gilt auch im Finanzwesen das Versursacherprinzip. Wer unsere Umwelt mit faulen Papieren verschmutzt, muss für die Beseitigung des Drecks sorgen. Unsere Regierung hat offenbar kein Konzept zur Bekämpfung der Krise, die längst eine Weltfinanzkatastrophe geworden ist. Warum sollte Frau Merkel oder Herr Steinbrück mehr auf dem Kasten haben als Herr Bush oder Herr Paulson. Den USA und ihren NATO-Adepten wird es jetzt so gehen wie der sowjetischen Führung und deren Hintersassen im Warschauer Pakt bei der Katastrophe von Tschernobyl. Die unheilbringende Wolke von Finanzgiftmüll kreist elektronisch per Internet um die Welt, der toxische Papiermüll regnet mal hier, mal da herunter, kontaminiert und zerstört jedesmal ganze Volkswirtschaften. Mißtrauen, Angst, Panik ja Hysterie regieren von nun an weltweit die Börsen und Banken. Das Spiel ist aus.

Niemand wird diesen Prozess des weltweiten wirtschaftlichen Niedergangs noch aufhalten, weil niemand die Macht hat, die US-Börsenverbrecher zur Bereinigung des Weltfinanzsystems und zur Rücknahme ihrer US-Schrottpapiere zu zwingen. Der globale Crash könnte nur gestoppt werden, wenn in den USA sofort, wie 1923 und 1948 in Deutschland (jeweils nach einem verlorenen Krieg), eine Währungsreform durchgeführt würde und der Dollar im Verhältnis X zu 1 abgewertet würde. Über ein Wertpapierbereinigungsgesetz müssten die Internationalen Finanzinstitute unter Aufsicht der UN die USA zwingen, weltweit alle US-Schrottpapiere wieder einzusammeln und die betrogenen Käufer zu entschädigen.

Das wäre praktisch eine Verstaatlichung des existierenden Finanzsystems, das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Dazu würde sich die Wall Street erst nach einem erfolgreichen Atomschlag von Al Quaida auf New York oder Washington bequemen. Der ist nicht zu erwarten, weil es Al Quaida als operationsfähige Einheit entgegen aller Zweckpropaganda aus Schäubles "Sicherheitsapparaten" schon lange nicht mehr gibt.

totengraeber

Die politischen Folgen der Weltfinanzkatastrophe werden deshalb, weil das Gewürge auf den Achterbahnen der Finanzmärkte bis zum totalen Zusammenbruch noch eine Weile so weiter geht, viel ungeheuerlicher und katastrophaler sein, als es sich die US-Lehfrauen und die Goldmänner, die Urheber der finanziellen Kernschmelze, je vorstellen konnten.

______________________________________________________________

* Wie sehr sich die Komplexität des Wertpapier-Systems mit der Zulassung der 350.000 Arten von US-Zertifikaten erhöht hat, kann jeder Systemanalytiker mit einer Standardformel verdeutlichen, mit der Systeme für ihre Abbildung in Computern aufgegliedert werden:

Jedes System besteht aus Elementen (E) und den Beziehungen (B) , die zwischen den Elementen möglich sind. B ist danach E zum Quadrat, minus E, geteilt durch 2. Bei einem Fünfeck gibt es zehn mögliche Beziehungen (Verbindungen) zwischen den fünf Ecken (Elementen). Bei einem System mit 50 Elementen (Wertpapierarten) ist die Sache schon komplexer:

Ein Computersystem, in dem 50 Arten von Wertpapieren zu verwalten wären, hätte demnach 1225 mögliche Beziehungen zu berücksichtigen.

Bei 350.050 Arten von Wertpapieren wären aber theoretisch schon über 21 Trillionen mögliche Beziehungen zu berücksichtigen, genau: 21.440.501.232.323.725 mögliche Beziehungen.

Das dürfte auch die Numbercruncher an der Wall Street an ihre Leistungsgrenze geführt haben. Ganz abgesehen davon, dass der deutsche Bankmitarbeiter und sein Bankkunde mit Mühe das deutsche Wirtschaftssystem und Wertpapierrecht (Aktiengesetz etc.) kennt. Das angloamerikanische Wirtschaftssystem und Recht ist dem Kontinentaleuropäer dagegen ziemlich fremd. Das macht die Sache noch zusätzlich kompliziert und betrugsanfällig.

Kein Wunder, dass die Schuldenuhr an der Wall Street in Not ist, weil 14 Stellen für die Abbildung der Höhe der US-Schulden (mehr als 10 Billionen Dollar) einfach nicht vorgesehen waren.

scusi!

Die Welt ist eine Bühne, auf der ein jeder seine Possen agieret und hin und her tanzet, bis dass ihn unser aller Herr und Meister hinwegberufet. (G.Chr. Lichtenberg)

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