Ranicki lebt – und Haider musste sterben
rhbl
Das kann ja haider werden, dachte ich mir, als ich Thomas Gottschalk bei Schmidt & Pocher dabei erwischte, wie er sich mit den beiden Komödianten am Vorabend der Verleihung des TV-Lebenswerk-Preises an Marcel Reich-Ranicki über den Karl May des deutschen Literaturbetriebs lustig machte.
Das frechste war wohl der Hinweis, dass alle, die den Deutschen-Fernseh-Lebenswerk-Preis kriegen, danach möglichst nie mehr im Studio aufkreuzen sollen.
Ranickis Sphirren werden ihm diese Beleidigung postwendend hinterbracht haben. Der 88-jährige Kandidat, ohnehin ein schwieriger Patient, erschien entsprechend geladen zur Preisverleihung und musste erst mal drei Stunden warten, weil er eigentlich als Letzter dran war. Gottschalks Laudatio für ihn riss auch keinen vom Hocker, glaubt man Elke Heidenreichs emotionalem Kommentar in der FAZ. Die Krampfhenne hätte es jedenfalls ihrer Meinung nach noch sehr viel lobhudeliger gemacht und hatte das auch in ihren "h ä u f i g e n" Telefonaten mit dem Alten so vorbesprochen. Sie durfte aber aus irgendwelchen (verwandtschaftlichen?) Gründen nicht ran. Die reiche Heidin äußerte sich dementsprechend enttäuscht abfällig über die jämmerliche Qualität des gleich auf mehreren Großbildschirmen Gebotenen („hirnlose Scheiße“). Prämiert wurden so unterhaltsame Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“(RTL). Je größer die Bildschirme, um so schlechter die Programme.
Der Kandidat Reich, der 1943 als Lagerinsasse im Warschauer Ghetto für die SS-Lagerleitung übersetzt und später als Agent der stalinistischen Geheimpolizei UB in Schlesien gearbeitet hatte, hat ja in seinem Leben schon einiges durchmachen müssen. Doch die stundenlange Warterei auf die Preisübergabe neben ZDF-Intendant Markus Schächter und WDR-Intendantin Monika Piel in der ersten Reihe bei dieser Verblödungsarie der Fernsehleute war ihm zuviel und er empfand die Behandlung (mit Fug und Recht) als widerwärtig. Am Ende platzte er vor Wut und lehnte den Preis vor laufender Kamera ab. Reich wollte nicht in eine Reihe mit den erbärmlichen Fernsehproduzenten gestellt werden, die für das gute Geld der Gebührenzahler seit Jahren nur miese Schrottprodukte abliefern, jämmerliche Imitate der an Armseligkeit nicht mehr zu unterbietenden Hollywoodprodukte. Der Eklat war da, pure Comedy. Dann erfolgte eine halbe Versöhnung, weil Gottschalk Ranicki reaktionsschnell eine 30-Minuten Sondersendung mit ihm und den anwesenden IntendantInnen zwecks Fernsehqualitätskritik arrangierte (Freitagabend, statt "Aspekte"). Seine Frau soll laut SPIEGEL das Ding, einen hässlichen Plexiglaswürfel nachher doch noch heimlich mit nach Hause genommen haben.
Ranickis Medienschelte kommt etwas spät. "Marcel Ranicki" war Reich`s Deckname als "Kim Philby" des polnischen Auslandsnachrichtendienstes in London, wo er gleich nach dem Krieg ein dickes Auto fahren konnte und nebenbei ein paar polnischen Emigranten zur unfreiwilligen Heimreise nach Warschau verhalf, wo einige der "Rückgeführten" erschossen oder gehängt wurden. R. konnte sich in London nicht lange halten. Über Umwege verschlug es ihn zu seinen Betbrüdern bei der FAZ in Frankfurt.
Schon im Jahr des Mauerfalls, als Ranicki den Bambi-Kulturpreis erhielt, war das Niveau der westdeutschen Medien im Keller angekommen, köderte der Rundfunk nur noch die „Nebenbei-Hörer“ mit „Ohrwurm-Musik“. Selbst ARD und ZDF hatten aus Angst vor der privaten TV-Konkurrenz begonnen, das Niveau zu drücken, wie Mathias Greffrath 1986 („Kurze Rede über das Ende des Rundfunks als Anstalt für Öffentlichkeit“) im Freibeuter schrieb.
Greffrath zitierte damals Orwell und Hitler. Orwell: „Die Musik, und wenn möglich sollte es dieselbe Musik für alle sein, ist das wichtigste Element. Ihre Funktion ist es, Gedanken und Unterhaltungen zu vermeiden“; Hitler: „Durch den Rundfunk wird der Gemeinde vorgesetzt, was ihr zuträglich ist: Musik unbegrenzt. Nur geistige Arbeit sollen sie nicht lernen“.
Womit wir bei Jörg Haider wären, der Hitlers Konzentrationslager als Straflager verharmlost und der die Beschäftigungspolitik der Nazis als ordentlich eingestuft hatte, obwohl er in der Schule immer Klassenprimus gewesen ist und es eigentlich besser hätte wissen müssen. Schlimme Provokationen, für die er sich 1999 entschuldigt hatte. Was ihm natürlich in den Kreisen der Hinterbliebenen des Holocausts kaum jemand abgenommen hat.
So trauert man jetzt überwiegend nur in Kärnten über den „Unfalltod“ des Landeshauptmanns, der mit 142 Sachen mit seinem fast nagelneuen Phaeton beim Überholen von der Straße abgekommen ist. Andernorts, in der NZZ (Ritterband), im Spiegel (Dambeck) oder in der taz (Misik), halten sich die Nachrufe auf Jörg Haider nicht an den Grundsatz, dass man über Verstorbene nur Gutes schreiben soll. Im Gegenteil, den übelsten Nachruf habe ich ausgerechnet in der guten alten NZZ gelesen, von einem gewissen Charles E. Ritterband.

Der weiße Ritter Ritterband?
Haider soll ja, so sagen einige Journalisten, die ihn persönlich gekannt haben, jenseits der Ausländer- und Asylpolitik in seinem unmittelbaren Umfeld ziemlich sozial eingestellt gewesen sein. Er soll den Menschen, die in Kärnten in einer Notlage zu ihm gekommen sind, stets umgehend geholfen haben. Seine polarisierenden und provozierenden Äußerungen zur Nazizeit habe er gemacht, um Wähler vom rechten Rand mit populistischem Gerede einzufangen.
Wenn das richtig wäre, würden Misik oder Ritterband mit ihren gnadenlosen Haider-Hinrichtungen post mortem ziemlich falsch liegen. Der Wiener NZZ-Korrespondent Ritterband ist in Zürich und St. Gallen aufgewachsen, mit einer Objektkünstlerin (=> Mayakowski-Zitat) verheiratet, hat drei Kinder und einen Königspudel. Er hat Germanistik, Geschichte und Philosophie sowie Staatswissenschaften studiert. Den Doktortitel erlangte er entsprechend den in gewissen Kreisen üblichen Umständen in Staatswissenschaften mit der Bestnote an der Hochschule St. Gallen. Forschungsaufenthalte gab es am Institut d`Etudes Politiques in Paris und an der Harvard University in Cambridge, USA. Seit 1982 ist er Redaktionsmitglied bei der Neuen Züricher Zeitung. Ab 1983 war er „Auslandskorrespondent“ in Jerusalem, Washington, London und Buenos Aires. Er hat Bücher zum Thema Nahost ("Israel über Alles") geschrieben und listige Vorschläge gemacht, wie man die Menschenrechte zum Plattmachen der bösen Sowjetunion nutzen könnte (1982). Als "Dozent" für Medienwissenschaft und Journalismus an den Universitäten Wien, Innsbruck und Krems, sowie Fachhochschulen in Wien und Graz (GmbH) verzichtet er auf den entsprechenden Homepages auf die Angabe seiner Telefonnummer oder Email-Adresse, nicht unüblich bei Medressen.
Was treibt so einen bildungsbürgerlich Erzogenen wie Ritterband, der im Unterschied zu Haider (Haiders Vater war Schuhmacher) aus einem wohlsituierten Ambiente kommt, dazu, gegen alle Etikette so hässlich und widerwärtig gegen einen Toten, der sich nicht mehr wehren kann, vom Leder zu ziehen? Das Internet liefert vielleicht die Lösung für dieses Rätsel. Der hasserfüllte Rothaarige hat nicht nur die Welt bereist, er hat auch fanatisch engagiert seine eindimensionale Sicht propagiert. Eine Veröffentlichung lautet: „Antizionismus - Antisemitismus: Nur ein neuer Name für ein altes Phänomen? Diagnose einer Polemik. In: Judenfeindschaft.“ Angesichts der schwelenden Weltfinanzkrise, die von denjenigen angezettelt worden ist, für die Ritterband schreibt, sollten er und seine Kumpanen sich mit ihrer Hetze lieber zurückhalten. Die jüdische Journaille kennt sich doch bestens aus in den dreckigen Verhältnissen dieser Welt. Sie sollte sich in nächster Zeit sehr zurückhalten und sich am besten für eine Weile einen Job in der Produktion suchen. Bis die aktuellen Finanzbetrügereien der Zinswucherer wieder etwas in Vergessenheit geraten sind. Sonst könnte das Ganze schnell weiter eskalieren. Jemand könnte ja mal Roß und Reiter nennen.
Jahrtausende alte Vorbehalte werden gerade erst wieder durch die ungeheuren Finanzbetrügereien an der Wall Street und der City of London bestätigt. Der nächste Aufstand der Unterdrückten und Entrechteten gegen die Geldmarktvampire dürfte spätestens dann, wenn die Finanzkrise die Realwirtschaft in Arabien und Asien erreicht, von Millionen arbeitslosen, von Milliarden ausgeplünderten und um ihr Leben unfair betrogenen Muslimen, Hindus und Christen getragen werden, die das üble Spiel langsam satt haben.
Vielleicht gelingt es den Finanzbetrügern diesmal gerade noch, den totalen Crash zu verhindern. Aber die Katastrophe ist so nur aufgeschoben, sie nimmt spätestens dann ihren Lauf, wenn alle Dollarbillionen vom Militär-Industriellen-Komplex der USA (AIPAC) restlos verpulvert sind, wenn der Billionen-Schuldenberg der amerikanischen Raub- und Unterdrückungskriege in Afghanistan und im Irak aus dem angloamerikanisch-jüdischen Spielkasino auf die asiatische, arabische und europäische Straße rutscht.
Weil eine Milliarde Menschen in der Dritten Welt hungert und Millionen Zivilisten in den letzten fünf Jahrzehnten in kriminellen US-Kriegen sinnlos ermordet wurden oder verhungert sind (Vietnam: 4 Mio, Irak: > 1 Mio, Afghanistan: > 30.000), während sich die Leh- und Goldmänner, die Zoellicks, Strauß-Kahn, Bernanke, Paulson, Blair, Sarkozy und all die anderen über den Globus verstreuten Asozialen mit Hummer vollstopften, mit ihren Luxushuren in Champagner badeten oder anderen perversen Beschäftigungen nachgingen, ist in absehbarer Zeit Schluß mit Lustig.
Im Zusammenhang mit Jörg Haiders überraschendem "Unfalltod" ist auch ein Artikel Ritterbands über Rechtspopulismus aufschlussreich, den der NZZ-Agent im April 2003 in der Zeitschrift Internationale Politik veröffentlicht hat:
„Kärntner Chamäleon. Jörg Haiders Auf- und Abstieg in Österreich“. In der Zusammenfassung heißt es: Von manchen Beobachtern fast als neuer Hitler verteufelt, von anderen als der frische Wirbelwind im bleiernen Österreich der Großen Koalition gepriesen: der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider beschäftigt seit Jahren Medien und Öffentlichkeit. Charles E. Ritterband, Wiener Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung, schildert das Phänomen Haider, das nur in enger Symbiose mit den Medien eine derartige Größe erreichen konnte, und sagt ihm voraus, dass es wohl seine Zukunft hinter sich hat.“
Der schlaue und umtriebige Herr Ritterband, seit 2001 für die NZZ - und wen auch immer - in Wien, hat sich 2003 leider geirrt. Das Stehaufmännchen Haider hat es bei den letzten Nationalratswahlen in Österreich wieder zurück an die Spitze der österreichischen Politik geschafft. FPÖ und BZÖ hatten zusammen fast 30 % der Stimmen, an dem neuen starken Mann Haider hätte bei der österreichischen Regierungsbildung kein Weg vorbeigeführt, wenn nicht...
Schlimmer noch, angesichts der Finanzkrise hatte der rührige Landeshauptmann Haider am letzten Donnerstag schon ein eigenes Maßnahmenpaket zur Konjunkturstabilisierung und Förderung der Beschäftigung geschnürt. So hatte Wien bereits grünes Licht für ein neues, 160 Mio. Euro schweres Konjunkturpaket für Kärnten gegeben. Zudem sollte es beschäftigungswirksame Förderungen für Kleinstbetriebe und die mittelständische Wirtschaft geben. Haider wollte als Finanzreferent außerdem das Budget für 2009 nochmals überarbeiten: "Alles, was nicht direkt wirtschafts- und arbeitsmarktfördernd ist, werde er herausnehmen".
Das wäre ja ein richtiges Kontrastprogramm zu dem "Rettungsprogramm" unserer neoliberalen deutschen Bundesregierung geworden, die mit unseren 470 Milliarden Euro nur den Bankern helfen will. Wobei auffällt, dass Gordon Brown in London nur ein Zehntel davon in die Hand nehmen muss, um die englischen Banken zu retten. Sind demnach zehnmal mehr Ramschpapiere in deutsche Banken und Pensionsfonds geschaufelt worden als in Englische?
Es sollte noch schlimmer kommen. In seinem letzten Interview mit der Kleinen Zeitung forderte Haider sogar einen Sondergerichtshof für Wirtschaftsdelikte zur Bestrafung der Übeltäter, Auszug:
„Kleine Zeitung: Hochbezahlte Manager haben die Misere verursacht. Reichen die Möglichkeiten, sie zur Verantwortung zu ziehen?
HAIDER: Wer mit anvertrautem Geld leichtfertig umgeht, muss die Folgen spüren. Wir brauchen eine strengere Managementhaftung, eine Änderung des Strafrechts und einen Sondergerichtshof für Wirtschaftsdelikte. Manager, die über Grenzen gehen, müssen mit ihrem Vermögen haften. Die sind ja nicht arm, die haben gigantisch verdient. Auch ist die strafrechtliche Verantwortung klarzustellen, dann müssen sie eingesperrt werden.“
Vielleicht haben die Worte „Sondergerichtshof“ und "strafrechtliche Verantwortung" ja vielleicht bei dem einen oder anderen aus der Szene Panik ausgelöst. Es geht ja bei den faulen Papieren inzwischen um Verluste/ Schadenersatz in Höhe von mindestens 600 Milliarden, wenn nicht sogar um Billionen von Euro.
Die Zeitschrift „Internationale Politik“, in der Charles E. Ritterband, ein Mann, der seine R e s i d e n z auffällig häufig wechselte, im Jahr 2003 seine pessimistische Prognose zu Haiders Zukunft veröffentlichte, hat für mich einen gewissen Schlapphut-Szene Geruch. Das kommt daher, dass man dort neben Veröffentlichungen von harmlosen Sicherheitsleuten wie Herrn Uhrlau über Terrorismus/Islamismus z.B. so aufrüttelnde Texte wie den des folgenden Autors findet:
„Kenne dich – und kenne den Feind! von Rudolf Adam:
„Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich Rolle, Funktion und Aufgaben der Nachrichtendienste fundamental verändert. Aber noch immer werden sie entweder verteufelt oder verklärt, umgibt sie der schillernde Nimbus alter Spionageromane. Ein nüchterner Blick tut deshalb not: Was können, was sollen die deutschen Dienste heute leisten – und was nicht?“ Hm!
Porschefahrer Haider war nach allem was wir wissen, ein sportlicher, sicherer Fahrer. Warum fuhr er so schnell? Und außerdem, vielleicht gab es ja doch einen kleinen Softwarefehler in der elektronischen Steuerung des Spurhaltesystems des drei Monate alten Phaeton. Was da beim Überholen wirklich passiert ist, am Wochenende, um 01:15 Uhr nachts in Klagenfurt, wir werden es vermutlich nie erfahren.
Das kann ja haider werden, dachte ich mir, als ich Thomas Gottschalk bei Schmidt & Pocher dabei erwischte, wie er sich mit den beiden Komödianten am Vorabend der Verleihung des TV-Lebenswerk-Preises an Marcel Reich-Ranicki über den Karl May des deutschen Literaturbetriebs lustig machte.
Das frechste war wohl der Hinweis, dass alle, die den Deutschen-Fernseh-Lebenswerk-Preis kriegen, danach möglichst nie mehr im Studio aufkreuzen sollen.
Ranickis Sphirren werden ihm diese Beleidigung postwendend hinterbracht haben. Der 88-jährige Kandidat, ohnehin ein schwieriger Patient, erschien entsprechend geladen zur Preisverleihung und musste erst mal drei Stunden warten, weil er eigentlich als Letzter dran war. Gottschalks Laudatio für ihn riss auch keinen vom Hocker, glaubt man Elke Heidenreichs emotionalem Kommentar in der FAZ. Die Krampfhenne hätte es jedenfalls ihrer Meinung nach noch sehr viel lobhudeliger gemacht und hatte das auch in ihren "h ä u f i g e n" Telefonaten mit dem Alten so vorbesprochen. Sie durfte aber aus irgendwelchen (verwandtschaftlichen?) Gründen nicht ran. Die reiche Heidin äußerte sich dementsprechend enttäuscht abfällig über die jämmerliche Qualität des gleich auf mehreren Großbildschirmen Gebotenen („hirnlose Scheiße“). Prämiert wurden so unterhaltsame Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“(RTL). Je größer die Bildschirme, um so schlechter die Programme.
Der Kandidat Reich, der 1943 als Lagerinsasse im Warschauer Ghetto für die SS-Lagerleitung übersetzt und später als Agent der stalinistischen Geheimpolizei UB in Schlesien gearbeitet hatte, hat ja in seinem Leben schon einiges durchmachen müssen. Doch die stundenlange Warterei auf die Preisübergabe neben ZDF-Intendant Markus Schächter und WDR-Intendantin Monika Piel in der ersten Reihe bei dieser Verblödungsarie der Fernsehleute war ihm zuviel und er empfand die Behandlung (mit Fug und Recht) als widerwärtig. Am Ende platzte er vor Wut und lehnte den Preis vor laufender Kamera ab. Reich wollte nicht in eine Reihe mit den erbärmlichen Fernsehproduzenten gestellt werden, die für das gute Geld der Gebührenzahler seit Jahren nur miese Schrottprodukte abliefern, jämmerliche Imitate der an Armseligkeit nicht mehr zu unterbietenden Hollywoodprodukte. Der Eklat war da, pure Comedy. Dann erfolgte eine halbe Versöhnung, weil Gottschalk Ranicki reaktionsschnell eine 30-Minuten Sondersendung mit ihm und den anwesenden IntendantInnen zwecks Fernsehqualitätskritik arrangierte (Freitagabend, statt "Aspekte"). Seine Frau soll laut SPIEGEL das Ding, einen hässlichen Plexiglaswürfel nachher doch noch heimlich mit nach Hause genommen haben.
Ranickis Medienschelte kommt etwas spät. "Marcel Ranicki" war Reich`s Deckname als "Kim Philby" des polnischen Auslandsnachrichtendienstes in London, wo er gleich nach dem Krieg ein dickes Auto fahren konnte und nebenbei ein paar polnischen Emigranten zur unfreiwilligen Heimreise nach Warschau verhalf, wo einige der "Rückgeführten" erschossen oder gehängt wurden. R. konnte sich in London nicht lange halten. Über Umwege verschlug es ihn zu seinen Betbrüdern bei der FAZ in Frankfurt.
Schon im Jahr des Mauerfalls, als Ranicki den Bambi-Kulturpreis erhielt, war das Niveau der westdeutschen Medien im Keller angekommen, köderte der Rundfunk nur noch die „Nebenbei-Hörer“ mit „Ohrwurm-Musik“. Selbst ARD und ZDF hatten aus Angst vor der privaten TV-Konkurrenz begonnen, das Niveau zu drücken, wie Mathias Greffrath 1986 („Kurze Rede über das Ende des Rundfunks als Anstalt für Öffentlichkeit“) im Freibeuter schrieb.
Greffrath zitierte damals Orwell und Hitler. Orwell: „Die Musik, und wenn möglich sollte es dieselbe Musik für alle sein, ist das wichtigste Element. Ihre Funktion ist es, Gedanken und Unterhaltungen zu vermeiden“; Hitler: „Durch den Rundfunk wird der Gemeinde vorgesetzt, was ihr zuträglich ist: Musik unbegrenzt. Nur geistige Arbeit sollen sie nicht lernen“.
Womit wir bei Jörg Haider wären, der Hitlers Konzentrationslager als Straflager verharmlost und der die Beschäftigungspolitik der Nazis als ordentlich eingestuft hatte, obwohl er in der Schule immer Klassenprimus gewesen ist und es eigentlich besser hätte wissen müssen. Schlimme Provokationen, für die er sich 1999 entschuldigt hatte. Was ihm natürlich in den Kreisen der Hinterbliebenen des Holocausts kaum jemand abgenommen hat.
So trauert man jetzt überwiegend nur in Kärnten über den „Unfalltod“ des Landeshauptmanns, der mit 142 Sachen mit seinem fast nagelneuen Phaeton beim Überholen von der Straße abgekommen ist. Andernorts, in der NZZ (Ritterband), im Spiegel (Dambeck) oder in der taz (Misik), halten sich die Nachrufe auf Jörg Haider nicht an den Grundsatz, dass man über Verstorbene nur Gutes schreiben soll. Im Gegenteil, den übelsten Nachruf habe ich ausgerechnet in der guten alten NZZ gelesen, von einem gewissen Charles E. Ritterband.

Der weiße Ritter Ritterband?
Haider soll ja, so sagen einige Journalisten, die ihn persönlich gekannt haben, jenseits der Ausländer- und Asylpolitik in seinem unmittelbaren Umfeld ziemlich sozial eingestellt gewesen sein. Er soll den Menschen, die in Kärnten in einer Notlage zu ihm gekommen sind, stets umgehend geholfen haben. Seine polarisierenden und provozierenden Äußerungen zur Nazizeit habe er gemacht, um Wähler vom rechten Rand mit populistischem Gerede einzufangen.
Wenn das richtig wäre, würden Misik oder Ritterband mit ihren gnadenlosen Haider-Hinrichtungen post mortem ziemlich falsch liegen. Der Wiener NZZ-Korrespondent Ritterband ist in Zürich und St. Gallen aufgewachsen, mit einer Objektkünstlerin (=> Mayakowski-Zitat) verheiratet, hat drei Kinder und einen Königspudel. Er hat Germanistik, Geschichte und Philosophie sowie Staatswissenschaften studiert. Den Doktortitel erlangte er entsprechend den in gewissen Kreisen üblichen Umständen in Staatswissenschaften mit der Bestnote an der Hochschule St. Gallen. Forschungsaufenthalte gab es am Institut d`Etudes Politiques in Paris und an der Harvard University in Cambridge, USA. Seit 1982 ist er Redaktionsmitglied bei der Neuen Züricher Zeitung. Ab 1983 war er „Auslandskorrespondent“ in Jerusalem, Washington, London und Buenos Aires. Er hat Bücher zum Thema Nahost ("Israel über Alles") geschrieben und listige Vorschläge gemacht, wie man die Menschenrechte zum Plattmachen der bösen Sowjetunion nutzen könnte (1982). Als "Dozent" für Medienwissenschaft und Journalismus an den Universitäten Wien, Innsbruck und Krems, sowie Fachhochschulen in Wien und Graz (GmbH) verzichtet er auf den entsprechenden Homepages auf die Angabe seiner Telefonnummer oder Email-Adresse, nicht unüblich bei Medressen.
Was treibt so einen bildungsbürgerlich Erzogenen wie Ritterband, der im Unterschied zu Haider (Haiders Vater war Schuhmacher) aus einem wohlsituierten Ambiente kommt, dazu, gegen alle Etikette so hässlich und widerwärtig gegen einen Toten, der sich nicht mehr wehren kann, vom Leder zu ziehen? Das Internet liefert vielleicht die Lösung für dieses Rätsel. Der hasserfüllte Rothaarige hat nicht nur die Welt bereist, er hat auch fanatisch engagiert seine eindimensionale Sicht propagiert. Eine Veröffentlichung lautet: „Antizionismus - Antisemitismus: Nur ein neuer Name für ein altes Phänomen? Diagnose einer Polemik. In: Judenfeindschaft.“ Angesichts der schwelenden Weltfinanzkrise, die von denjenigen angezettelt worden ist, für die Ritterband schreibt, sollten er und seine Kumpanen sich mit ihrer Hetze lieber zurückhalten. Die jüdische Journaille kennt sich doch bestens aus in den dreckigen Verhältnissen dieser Welt. Sie sollte sich in nächster Zeit sehr zurückhalten und sich am besten für eine Weile einen Job in der Produktion suchen. Bis die aktuellen Finanzbetrügereien der Zinswucherer wieder etwas in Vergessenheit geraten sind. Sonst könnte das Ganze schnell weiter eskalieren. Jemand könnte ja mal Roß und Reiter nennen.
Jahrtausende alte Vorbehalte werden gerade erst wieder durch die ungeheuren Finanzbetrügereien an der Wall Street und der City of London bestätigt. Der nächste Aufstand der Unterdrückten und Entrechteten gegen die Geldmarktvampire dürfte spätestens dann, wenn die Finanzkrise die Realwirtschaft in Arabien und Asien erreicht, von Millionen arbeitslosen, von Milliarden ausgeplünderten und um ihr Leben unfair betrogenen Muslimen, Hindus und Christen getragen werden, die das üble Spiel langsam satt haben.
Vielleicht gelingt es den Finanzbetrügern diesmal gerade noch, den totalen Crash zu verhindern. Aber die Katastrophe ist so nur aufgeschoben, sie nimmt spätestens dann ihren Lauf, wenn alle Dollarbillionen vom Militär-Industriellen-Komplex der USA (AIPAC) restlos verpulvert sind, wenn der Billionen-Schuldenberg der amerikanischen Raub- und Unterdrückungskriege in Afghanistan und im Irak aus dem angloamerikanisch-jüdischen Spielkasino auf die asiatische, arabische und europäische Straße rutscht.
Weil eine Milliarde Menschen in der Dritten Welt hungert und Millionen Zivilisten in den letzten fünf Jahrzehnten in kriminellen US-Kriegen sinnlos ermordet wurden oder verhungert sind (Vietnam: 4 Mio, Irak: > 1 Mio, Afghanistan: > 30.000), während sich die Leh- und Goldmänner, die Zoellicks, Strauß-Kahn, Bernanke, Paulson, Blair, Sarkozy und all die anderen über den Globus verstreuten Asozialen mit Hummer vollstopften, mit ihren Luxushuren in Champagner badeten oder anderen perversen Beschäftigungen nachgingen, ist in absehbarer Zeit Schluß mit Lustig.
Im Zusammenhang mit Jörg Haiders überraschendem "Unfalltod" ist auch ein Artikel Ritterbands über Rechtspopulismus aufschlussreich, den der NZZ-Agent im April 2003 in der Zeitschrift Internationale Politik veröffentlicht hat:
„Kärntner Chamäleon. Jörg Haiders Auf- und Abstieg in Österreich“. In der Zusammenfassung heißt es: Von manchen Beobachtern fast als neuer Hitler verteufelt, von anderen als der frische Wirbelwind im bleiernen Österreich der Großen Koalition gepriesen: der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider beschäftigt seit Jahren Medien und Öffentlichkeit. Charles E. Ritterband, Wiener Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung, schildert das Phänomen Haider, das nur in enger Symbiose mit den Medien eine derartige Größe erreichen konnte, und sagt ihm voraus, dass es wohl seine Zukunft hinter sich hat.“
Der schlaue und umtriebige Herr Ritterband, seit 2001 für die NZZ - und wen auch immer - in Wien, hat sich 2003 leider geirrt. Das Stehaufmännchen Haider hat es bei den letzten Nationalratswahlen in Österreich wieder zurück an die Spitze der österreichischen Politik geschafft. FPÖ und BZÖ hatten zusammen fast 30 % der Stimmen, an dem neuen starken Mann Haider hätte bei der österreichischen Regierungsbildung kein Weg vorbeigeführt, wenn nicht...
Schlimmer noch, angesichts der Finanzkrise hatte der rührige Landeshauptmann Haider am letzten Donnerstag schon ein eigenes Maßnahmenpaket zur Konjunkturstabilisierung und Förderung der Beschäftigung geschnürt. So hatte Wien bereits grünes Licht für ein neues, 160 Mio. Euro schweres Konjunkturpaket für Kärnten gegeben. Zudem sollte es beschäftigungswirksame Förderungen für Kleinstbetriebe und die mittelständische Wirtschaft geben. Haider wollte als Finanzreferent außerdem das Budget für 2009 nochmals überarbeiten: "Alles, was nicht direkt wirtschafts- und arbeitsmarktfördernd ist, werde er herausnehmen".
Das wäre ja ein richtiges Kontrastprogramm zu dem "Rettungsprogramm" unserer neoliberalen deutschen Bundesregierung geworden, die mit unseren 470 Milliarden Euro nur den Bankern helfen will. Wobei auffällt, dass Gordon Brown in London nur ein Zehntel davon in die Hand nehmen muss, um die englischen Banken zu retten. Sind demnach zehnmal mehr Ramschpapiere in deutsche Banken und Pensionsfonds geschaufelt worden als in Englische?
Es sollte noch schlimmer kommen. In seinem letzten Interview mit der Kleinen Zeitung forderte Haider sogar einen Sondergerichtshof für Wirtschaftsdelikte zur Bestrafung der Übeltäter, Auszug:
„Kleine Zeitung: Hochbezahlte Manager haben die Misere verursacht. Reichen die Möglichkeiten, sie zur Verantwortung zu ziehen?
HAIDER: Wer mit anvertrautem Geld leichtfertig umgeht, muss die Folgen spüren. Wir brauchen eine strengere Managementhaftung, eine Änderung des Strafrechts und einen Sondergerichtshof für Wirtschaftsdelikte. Manager, die über Grenzen gehen, müssen mit ihrem Vermögen haften. Die sind ja nicht arm, die haben gigantisch verdient. Auch ist die strafrechtliche Verantwortung klarzustellen, dann müssen sie eingesperrt werden.“
Vielleicht haben die Worte „Sondergerichtshof“ und "strafrechtliche Verantwortung" ja vielleicht bei dem einen oder anderen aus der Szene Panik ausgelöst. Es geht ja bei den faulen Papieren inzwischen um Verluste/ Schadenersatz in Höhe von mindestens 600 Milliarden, wenn nicht sogar um Billionen von Euro.
Die Zeitschrift „Internationale Politik“, in der Charles E. Ritterband, ein Mann, der seine R e s i d e n z auffällig häufig wechselte, im Jahr 2003 seine pessimistische Prognose zu Haiders Zukunft veröffentlichte, hat für mich einen gewissen Schlapphut-Szene Geruch. Das kommt daher, dass man dort neben Veröffentlichungen von harmlosen Sicherheitsleuten wie Herrn Uhrlau über Terrorismus/Islamismus z.B. so aufrüttelnde Texte wie den des folgenden Autors findet:
„Kenne dich – und kenne den Feind! von Rudolf Adam:
„Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich Rolle, Funktion und Aufgaben der Nachrichtendienste fundamental verändert. Aber noch immer werden sie entweder verteufelt oder verklärt, umgibt sie der schillernde Nimbus alter Spionageromane. Ein nüchterner Blick tut deshalb not: Was können, was sollen die deutschen Dienste heute leisten – und was nicht?“ Hm!
Porschefahrer Haider war nach allem was wir wissen, ein sportlicher, sicherer Fahrer. Warum fuhr er so schnell? Und außerdem, vielleicht gab es ja doch einen kleinen Softwarefehler in der elektronischen Steuerung des Spurhaltesystems des drei Monate alten Phaeton. Was da beim Überholen wirklich passiert ist, am Wochenende, um 01:15 Uhr nachts in Klagenfurt, wir werden es vermutlich nie erfahren.
rhbl - 13. Okt, 19:15
