Donnerstag, 8. Mai 2008

USA verzögern durch gezinkte politische Forderungen humanitäre Hilfe für Myanmar

rhbl

Eine Grundregel der Humanitären Hilfe ist die Unparteilichkeit und Neutralität. Humanitäre Hilfsaktionen konzentrieren sich auf die Beseitigung des Leidens der betroffenen Bevölkerung. Politische Forderungen werden nicht gestellt.

Gegen diese Regel hat Laura Bush* verstoßen, als sie der Regierung von Myanmar (das Spiel mit den veralteten Landesbezeichnungen Burma oder Birma zeigt die Geringschätzung durch die frühere Kolonialmacht UK und die USA) am 05.05.08 überzogene Forderungen stellte, drei Tage nachdem der verheerende Wirbelsturm Nargis (UN-Lagekarte, pdf) Myanmar`s Irrawaddy-Delta und die frühere Hauptstadt Rangun (6 Millionen Einwohner) verwüstet hatte. Über den Tod von 10.000 Menschen war zu diesem Zeitpunkt bereits weltweit berichtet worden, Zehntausende waren verletzt, Hunderttausende obdachlos.

Zu einem Zeitpunkt, wo Tausende im Katastrophengebiet ertranken oder an ihren Verletzungen starben, machte Frau Bush (in Vertretung für ihren wohl mal wieder "unpässlichen" Gemahl) amerikanische Hilfe davon abhängig, dass US-Erkundungsteams sich erst vor Ort einen Überblick verschaffen könnten. Dabei hätte gerade sie seit dem Kathrina-Desaster von New Orleans wissen müssen, wie wichtig in einer derartigen Notlage sofortige Hilfe ist:

„If we can get some sort of team in there to assess what the other needs are, then I feel very assured that the United States government will follow with [greater assistance].”

Diese dreiste Forderung wurde sogar von Vertretern der burmesischen Opposition (Aung Naing Oo) als unangemessen betrachtet. Sie führte prompt dazu, dass sich die seit dem letzten Aufstand ohnehin durch vielfältige US-Sanktionen isolierte Militärregierung Myanmars noch mehr abkapselte. Im Irrawaddy-Delta gibt es, wie das IKRK meldet, offenbar Gefangenenlager. Außerdem soll China in Myanmar diverse Stationen zur elektronischen Aufklärung (ELOKA) betreiben. Die sollen "feindliche" Ausländer natürlich nicht aus der Nähe zu Gesicht bekommen. Das dürfte auch der US-Regierung, die über Satellitenphotos höchster Auflösung aus dem Katastrophengebiet verfügt, bekannt gewesen sein. Das Weiße Haus wusste also, dass seine Forderung nach Entsendung "vorgeschobener Beobachter" die Lage nur verkomplizieren und sofortige Hilfe unmöglich machen würde.

Nach dem Wirbelsturm Kathrina haben die USA übrigens auch nicht jeden ins Land gelassen. New Orleans ist bis heute nicht wiederaufgebaut.

Auch die Art der Berichterstattung in der proisraelischen deutschen Presse, die von Anfang an nicht objektiv über die Notlage berichtete und hauptsächlich gegen die "Militärjunta" hetzte, lässt darauf schließen, dass die US-Regierung den Burmesen nicht ernstlich helfen will. Das Theater mit der Visaerteilung verzögert wie erwartet den Beginn effektiver Hilfe durch das Ausland.

Bush setzt die Not der um ihr Überleben ringenden Zivilbevölkerung zynisch als Druckmittel zum Sturz der Militärregierung ein, die sich anders als arabische Ölscheichs nicht kaufen lässt. Wut und Zorn der enttäuschten Bevölkerung von Myanmar soll sich gegen die eigene Militärregierung richten und diese wenn irgend möglich hinwegfegen.

Denn heute, fünf Tage nach der Katastrophe, warten in den Resten ihrer überschwemmten Dörfer, in den zusammengebrochenen Bambushütten immer noch Hunderttausende von verzweifelten Überlebenden, darunter viele Verletzte, auf Hilfe. Der Sturm hat die Dächer weggerissen. Im Mai beginnt die Periode des unerbittlich strömenden Monsunregens. Der bitterarmen Bevölkerung fehlt es an allem, Trinkwasser, Nahrung, Medikamente, Zelte, Moskitonetze, Treibstoff. Die wenigen sanitären Anlagen sind zerstört, so dass Seuchen drohen. In den Städten und Dörfern prügeln sich die Bewohner schon jetzt um die letzten Lebensmittel.

Ca. Hunderttausend Menschen könnten durch den Zyklon umgekommen sein.

Die Vergabe von Visa an die UN-Inspektionsteams und Rettungsteams der EU und vieler Nachbarstaaten und privater Hilfsorganisationen ist durch die „inadäquate“ Intervention der Bush-Regierung mindestens grob fahrlässig, wenn nicht vorsätzlich verzögert worden. Und das in einer Situation, wo es bei der Rettung Überlebender auf jede Stunde, wenn nicht Minute ankommt. Warum? Die Antwort dürfte im Rohstoffreichtum Myanmars liegen, das schon die Briten aussaugten bis aufs Blut. Die USA sind ja ein enger Verbündeter der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien und verfügen als Erben des Britischen Empire über die gleiche Raubgräber- und Piratenmentalität wie die Engländer.

Von 1886 bis 1937 war Burma (heute: Myanmar) Teil der von den Briten erbarmungslos ausgebeuteten Kolonie Britisch-Indien. George Orwell, der als Soldat der britischen Krone in Birma diente, hat seine Erlebnisse 1928 in dem lesenswerten Roman „Tage in Burma“ (Volltext, Englisch) beschrieben, über den sich der WDR so äußerte:

"Das Buch darf aus zwei Gründen besonderes Interesse beanspruchen: zum einen, weil es zeigt, wie ein klarsichtiger Beobachter auch vor 70 Jahren schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu der Einsicht kommen konnte, dass das Ziel des europäischen Kolonialismus nichts anderes als Ausbeutung war; zum zweiten, weil in seiner Kolonialismus-Kritik die Wurzeln für George Orwells Kapitalismus-Kritik liegen."

Als die Engländer nach dem zweiten Weltkrieg gezwungen wurden, ihre Kolonie aufzugeben, liessen sie ein an Bodenschätzen immer noch reiches Land zurück. Die Tommies hatten das Land zwar weitestgehend ausgeplündert, insbesondere die Mangrovenwälder** waren den gierigen britischen Holzhändlern zum Opfer gefallen. Auch manch burmesischer Edelstein verziert den Kronschatz im Tower, doch alles konnten die Briten ja nicht mitnehmen. So gaben sie den Tipp über die Fundstellen an ihre Nachfolger, die US-Piraten, weiter. Die Weltsuperschurkenmacht lauert seitdem auf die richtige Gelegenheit. Myanmar verfügt über nennenswerte Mengen an Erdöl, Erdgas und massenhaft wertvolle Edelsteinvorkommen.

Nicht zufällig halten sich vor der Küste Myanmars immer mal wieder, so auch jetzt, amerikanische Flugzeugträger und andere Kriegsschiffe der US-/UK-Navy auf, bereit zur jederzeitigen Invasion, zum Regime-Change, wie Bush das nennt. Krummnase Zwerg Sarkozy soll auch schon ein französisches Kriegsschiff (getarnt als Stützpunkt der "humanitären Hilfe") vor die burmesische Küste beordert haben, um sich beim Plündern zu beteiligen. Kein Wunder, dass die Militärs in Myanmar, die gute Kontakte zu China, Thailand und Indien unterhalten, amerikanische Kundschafter samt proisraelischem Anhang im eigenen Land nicht haben wollen.

Es fragt sich, warum die professionellen Kundschafter- und Rettungsteams der UNO nicht sofort aus Asien (Malaysia, Thailand) rekrutiert und ohne das in Myanmar bekanntermaßen verhasste britische und US-amerikanische Personal angeboten worden sind.

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* Bildunterschrift:

"Bush kritisiert Militärjunta

Die amerikanische First Lady, Laura Bush, appellierte an das Regime, US-Katastrophenhelfer ins Land zu lassen. Gleichzeitig erneuerte sie ihre Kritik an der Menschenrechtslage in Myanmar."

Eine Verfälschung des Wesentlichen durch pauschale Bezugnahme auf alle möglichen (einfachen) US-Katastrophenhelfer und Weglassen des kritischen Bush-Textteils von den US-Assessment-, sprich "US-Spionageteams".

Eine in gewissen "deutschen" Medien üblich gewordene Verfälschung der Information durch gezielte Pauschalierung und damit Verkürzung der Aussage. Inzwischen rotiert die Propagandamaschine WEST mit höchster Umdrehung. Es rast das Meer und will sein Opfer haben. Sogar Frau Merkel spricht davon, der Druck müsse erhöht werden. Der völlig falsche Weg, wenn Frau M. der leidgeprüften Bevölkerung wirklich helfen wollte.

Je mehr Druck auf die Regierung in Myanmar gemacht wird, um so mehr wird sich die Militärregierung gegen die Propagandamaschinen des Westens sperren und sich gegenüber China, Indien und Russland öffnen.


** siehe auch die andere Darstellung der Abholzung in der FAZ vom 11.05.08
Korbes (anonym) - 9. Mai, 09:35

Amis sollen abhauen und anderen den Weg freimachen

«Wir stehen in einer langen Reihe von Staaten, die bereit, willens und in der Lage sind zu helfen, aber natürlich ebenso in einer langen Reihe von Staaten, denen die Burmaner nicht trauen», soll der amerikanische Botschafter Eric John in Bangkok gesagt haben.

Ok., es gibt ja gute historische Gründe, warum die Burmesen den westlichen Kolonialmächten nicht trauen. Dann sollen die raffgierigen Aasgeier des US-Ölkartells und ihre englischen und französischen Pappnasen doch die Fliege machen. Ihre Landrover, Care-Pakete und Wasseraufbereitungsanlagen können sie ja den asiatischen Hilfsmannschaften dalassen. Millionen Chinesen, Inder, Thai, Malaien warten auf ihren Einsatz beim Wiederaufbau in Burma.

Günther (anonym) - 9. Mai, 09:40

Burma schafft es auch allein

Asiaten sind zäh. Die Burmesen können es auch allein schaffen. Es reicht, wenn die Paletten mit Hilfsgütern an der thailändischen Grenze auf deren Militärlastwagen umgeladen werden. Da muss kein unerwünschter Ausländer Burmas Souveränität verletzen.
Hans im Glück (anonym) - 9. Mai, 10:18

Mietfedern der US-Händler des Todes schäumen

Es gibt einen unchristlichen Menschenschlag, der vom Unglück und der Not der Mitmenschen lebt. Briten und Amerikaner und deren Mietfedern in D gehören dazu. Auf das Abstauben von Spendengeldern haben sich auch gewisse Hilfsorganisationen spezialisiert, die jetzt wieder aus ihren unlauteren Motiven im großen Chor mitsingen. Man muss sich nur die Namen der von diesen "Hilfsorganisationen" (?) in die Katastrophen-Region entsandten Mitarbeiter ansehen, dann weiß man, wo der Bartel den Most holt. Entsprechend ist die Begleitpropaganda in den Medien:

Nur der taz-Schreiber berichtet heute noch halbwegs seriös.
Die proisraelischen/amerikanischen Mietfedern in der FAZ, Welt, Rheinischen Post glühen vor Wut. Siehe die heutige Presseschau der proisraelischen Funkleitzentrale "Deutschlandfunk":

http://www.dradio.de/presseschau/

Ewald (anonym) - 9. Mai, 10:26

Da gilt das Wort des Bundespräsidenten Heinemann

Wer wie die FAZ-Mietfeder mit der ausgestreckten Hand auf die "burmesische Herrscherclique" zeigt, an dessen Hand weisen immer drei Finger auf ihn selbst zurück.

rhbl (anonym) - 9. Mai, 16:51

Differenzierte Sicht gewinnt Anhänger

Sehe gerade, dass Marc Pitzke im SPIEGEL zu der gezinkten Bush-Strategie eine ähnliche Meinung vertritt. Wenn das so weitergeht, kommt die Hilfe für Myanmar aus vielen neutralen Staaten vielleicht doch noch ans Ziel, auch ohne die Amis:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,552387,00.html

rhbl

scusi!

Die Welt ist eine Bühne, auf der ein jeder seine Possen agieret und hin und her tanzet, bis dass ihn unser aller Herr und Meister hinwegberufet. (G.Chr. Lichtenberg)

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