Herr Sander öffnet seinen radioaktiven Abfallschrank
und ans Tageslicht kommt, Überraschung, in 900 m Tiefe des Atommüll-Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Asse II bei Wolfenbüttel, eine „Lauge unbekannter Herkunft, die mit den Fässern zu tun hat“. Leider strahlt die radioaktive Lauge auch noch so intensiv, dass sie den zulässigen Grenzwert um das Zehnfache überschreitet.
Seit 1965 wurde das ehemaligen Salzbergwerk Asse II „zu Forschungszwecken“ für die Entsorgung von Atommüll missbraucht und jetzt ist der niedersächsische Umweltminister Sander auf die schöne Bescherung aus den „wilden 70er Jahren“ gestoßen, wo nach dem ersten Ölpreisschock massiv auf den Ausbau der Kernenergie gesetzt wurde. Wo die Fässer der massenhaft anfallenden radioaktiven Abfälle erst gestapelt und dann mit dem Radlader auf Teufel komm raus in die unter Tage ausgehöhlten Kuhlen der Kavernen gekippt wurden. Eine häßliche Sache. So manches Fass dürfte schon beim Einlagern aufgesprungen sein.
Mir sind die 60er/70er Jahre ganz anders in Erinnerung geblieben. Damals öffnete im NWDR ein Herr Sanders seinen Schallplattenschrank und spielte rare Aufnahmen klassischer Musik aus allen Jahrzehnten. Wahre Schätze hatte der Mann angesammelt. Die Republik genoss den Wohlklang dank neuer Rundfunkempfänger (und niedriger Stromrechnungen) auf Ultrakurzwelle.
Niemand sprach zunächst über die wie Gift-Pilze in der dichtbesiedelten Wohnlandschaft aus dem Boden schießenden AKW und deren Abfall, das strahlende Teufelszeug, das der Atom-Club derweil kostensparend unter womöglich unzureichenden Sicherheitsbedingungen bei der GSF in Asse II einlagerte.
Der jetzige Betreiber der Anlage, das Helmholtz-Zentrum in München, Nachfolger der GSF, wiegelt ab und versucht, den Skandal herunterzuspielen. Greenpeace berichtete über die Zustände im "Forschungsendlager" mehr als kritisch: "Insgesamt wurden rund 125.000 Fässer mit schwachradioaktiven Abfällen auf den 750-m und 725-m-Sohlen eingelagert sowie rund 1.300 Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen auf der 511-m-Sohle, insgesamt rund 42.000 Kubikmeter.
Nach 1967 durften die schwachaktiven Abfälle auch bis zu 15 Gramm hochradioaktive Kernbrennstoffe pro Gebinde enthalten, also Uran-235 und Plutonium. Am 1. Januar 2002 enthielten die Fässer nach offiziellen Angaben neben anderen Radionukliden 102 Tonnen Uran und 11,6 Kilogramm Plutonium. Die gesamte Strahlungsaktivität betrug 83.300 Curie."
Cäsium-137 soll in der Lauge unbekannter Herkunft nachgewiesen worden sein. Das kommt in der Natur nicht vor. Der Betreiber hat es bestimmt schon länger gewusst, dass seine Atommüllfässer wohl nicht ganz dicht sind, hat die Sache aber tapfer geheimgehalten. Die Angelegenheit sollte wohl intern zunächst zusammen mit dem in Sachen Radioaktivität nicht so pingeligen Bergamt, ohne den zuständigen Landesumweltminister Sander (FDP) „bereinigt“ werden.
Heinz-Jörg Haury vom Helmholtz-Zentrum meint über die ausgetretene radioaktive Salzlauge zu wissen, „dadurch wird niemand gefährdet“. Und wenn die radioaktive Lauge sich mit dem Grundwasser mischt und auf diesem Weg ins Trinkwasser gelangt? Dann sind die Bevölkerung oder die Nachfahren der jetzigen Bewohner im Trinkwasser-/Grundwassereinzugsgebiet der Asse II durchaus gefährdet. Das ist so wahrscheinlich wie der nächste Supergau in einem KKW, es kann noch Jahrzehnte dauern oder schon morgen früh passieren.
Ein Wassereinbruch in einem zum atomaren Endlager umfunktionierten Salzbergwerk ist eigentlich nicht vorgesehen. Nicht ohne Grund hatte Forschungsminister Volker Hauff in seiner „Bürgerinformation Nukleare Entsorgung“ von 1979 auf Seite 63 betont, dass Salzgestein außerordentlich „standsicher“ ist. Wegen der „plastischen“ Verformbarkeit des Salzgesteins „können Einsturzgefahren und das Risiko eines Wassereinbruchs für die erforderlichen säkularen Zeiträume ausgeschlossen werden“. Außerdem sei Salzgestein „dicht“, lässt der Forschungsminister Hauff im nächsten Absatz schreiben: „Denn das wasserlösliche Salz ist hier von vielen wasserundurchlässigen Ton- und Mergelschichten überlagert. Bei etwaigen Wassereinbrüchen bildet sich in kurzer Zeit eine gesättigte Lauge.“
Damit widerspricht sich der Autor in zwei direkt aufeinander folgenden Absätzen. Entweder kann, wie im ersten Absatz behauptet, „das Risiko eines Wassereinbruchs für die erforderlichen säkularen Zeiträume ausgeschlossen werden“, dann bräuchte man die den Salzstock abdichtenden Ton- und Mergelschichten gar nicht zu erwähnen. Noch nicht mal im Fall eines Erdbebens. Oder man war sich schon 1979 der Sache mit dem Salz doch nicht sicher. Dann musste man zur Beruhigung der Bürger auf „die vielen wasserundurchlässigen Ton- und Mergelschichten“ verweisen.
Das ganze Propagandagerede des Atom-Clubs hat sich erneut als irreführend und gravierend falsch erwiesen.
Salzbergwerke sind weder wasser- noch gasdicht. Schon vor einem Jahr hat die Gruene Jugend Niedersachsens auf eindringendes Wasser und auf das drohende Absaufen von Asse II hingewiesen. Nichts ist passiert. Erst nachdem durchgesickert ist, dass das eingebrochene Wasser inzwischen radioaktiv kontaminiert ist, ergo schon die verrosteten, in die Kavernen gekippten Atommüllfässer umspült und ausgelaugt hat, erst da rafft sich der Betreiber auf, die Wahrheit einzugestehen. Das Endlagerkonzept im Salz ist gescheitert.
Jetzt ist guter Rat teuer. Zumindest die Fässer mit den mittelradioaktiven Abfällen müssten aus der Asse II wieder herausgeholt und woanders gelagert werden. Das wird gigantische Kosten verursachen, denn die Fässer sind schön tief eingebuddelt, die Standsicherheit des Bergwerks wäre durch die Rückholaktion eventuell gefährdet. Wir Stromkunden dürfen die Aktion wieder bezahlen, denn die Energieversorger werden die Umbettungsaktion und die Kosten für ein neues Endlagerkonzept (das Wievielte?) auf den Strompreis hauen.
Mit dem Scheitern der Einlagerung im Salzbergwerk Asse II ist zugleich der Salzstock Gorleben als potentielles Atommüll-Endlager erledigt. Am 16. Mai 1979 hatte der damalige Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht zum geplanten „Nuklearen Entsorgungszentrum Gorleben“ noch getönt: „Die Landesregierung hat sich davon überzeugt, dass die Endlagerung radioaktiver Abfälle in einem geeigneten Salzstock kein Risiko für die jetzt lebenden und die unmittelbar darauf folgenden Generationen mit sich bringt.“
Ich habe vor ein paar Jahren in meiner Küche einen privaten Gorleben-Endlagertest gemacht. Ein Kollege hatte mir aus Gorleben ein Stück Bohrkern aus dem Salzstock mitgebracht. Das habe ich auf einen Teller gestellt und mit einer halben Tasse Wasser begossen. Der stolze Salzstein-Bohrkern, äußerlich scheinbar gehärtet und glänzend wie ein Halbedelstein, schrumpelte förmlich vor meinen Augen dahin und bildete an seinem Fuß einen breiten Kranz von Salzlauge. Das zermürbte Gebilde bröckelt jetzt vor sich hin und taugt noch nicht einmal mehr als Briefbeschwerer.
Seit 1965 wurde das ehemaligen Salzbergwerk Asse II „zu Forschungszwecken“ für die Entsorgung von Atommüll missbraucht und jetzt ist der niedersächsische Umweltminister Sander auf die schöne Bescherung aus den „wilden 70er Jahren“ gestoßen, wo nach dem ersten Ölpreisschock massiv auf den Ausbau der Kernenergie gesetzt wurde. Wo die Fässer der massenhaft anfallenden radioaktiven Abfälle erst gestapelt und dann mit dem Radlader auf Teufel komm raus in die unter Tage ausgehöhlten Kuhlen der Kavernen gekippt wurden. Eine häßliche Sache. So manches Fass dürfte schon beim Einlagern aufgesprungen sein.
Mir sind die 60er/70er Jahre ganz anders in Erinnerung geblieben. Damals öffnete im NWDR ein Herr Sanders seinen Schallplattenschrank und spielte rare Aufnahmen klassischer Musik aus allen Jahrzehnten. Wahre Schätze hatte der Mann angesammelt. Die Republik genoss den Wohlklang dank neuer Rundfunkempfänger (und niedriger Stromrechnungen) auf Ultrakurzwelle.
Niemand sprach zunächst über die wie Gift-Pilze in der dichtbesiedelten Wohnlandschaft aus dem Boden schießenden AKW und deren Abfall, das strahlende Teufelszeug, das der Atom-Club derweil kostensparend unter womöglich unzureichenden Sicherheitsbedingungen bei der GSF in Asse II einlagerte.
Der jetzige Betreiber der Anlage, das Helmholtz-Zentrum in München, Nachfolger der GSF, wiegelt ab und versucht, den Skandal herunterzuspielen. Greenpeace berichtete über die Zustände im "Forschungsendlager" mehr als kritisch: "Insgesamt wurden rund 125.000 Fässer mit schwachradioaktiven Abfällen auf den 750-m und 725-m-Sohlen eingelagert sowie rund 1.300 Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen auf der 511-m-Sohle, insgesamt rund 42.000 Kubikmeter.
Nach 1967 durften die schwachaktiven Abfälle auch bis zu 15 Gramm hochradioaktive Kernbrennstoffe pro Gebinde enthalten, also Uran-235 und Plutonium. Am 1. Januar 2002 enthielten die Fässer nach offiziellen Angaben neben anderen Radionukliden 102 Tonnen Uran und 11,6 Kilogramm Plutonium. Die gesamte Strahlungsaktivität betrug 83.300 Curie."
Cäsium-137 soll in der Lauge unbekannter Herkunft nachgewiesen worden sein. Das kommt in der Natur nicht vor. Der Betreiber hat es bestimmt schon länger gewusst, dass seine Atommüllfässer wohl nicht ganz dicht sind, hat die Sache aber tapfer geheimgehalten. Die Angelegenheit sollte wohl intern zunächst zusammen mit dem in Sachen Radioaktivität nicht so pingeligen Bergamt, ohne den zuständigen Landesumweltminister Sander (FDP) „bereinigt“ werden.
Heinz-Jörg Haury vom Helmholtz-Zentrum meint über die ausgetretene radioaktive Salzlauge zu wissen, „dadurch wird niemand gefährdet“. Und wenn die radioaktive Lauge sich mit dem Grundwasser mischt und auf diesem Weg ins Trinkwasser gelangt? Dann sind die Bevölkerung oder die Nachfahren der jetzigen Bewohner im Trinkwasser-/Grundwassereinzugsgebiet der Asse II durchaus gefährdet. Das ist so wahrscheinlich wie der nächste Supergau in einem KKW, es kann noch Jahrzehnte dauern oder schon morgen früh passieren.
Ein Wassereinbruch in einem zum atomaren Endlager umfunktionierten Salzbergwerk ist eigentlich nicht vorgesehen. Nicht ohne Grund hatte Forschungsminister Volker Hauff in seiner „Bürgerinformation Nukleare Entsorgung“ von 1979 auf Seite 63 betont, dass Salzgestein außerordentlich „standsicher“ ist. Wegen der „plastischen“ Verformbarkeit des Salzgesteins „können Einsturzgefahren und das Risiko eines Wassereinbruchs für die erforderlichen säkularen Zeiträume ausgeschlossen werden“. Außerdem sei Salzgestein „dicht“, lässt der Forschungsminister Hauff im nächsten Absatz schreiben: „Denn das wasserlösliche Salz ist hier von vielen wasserundurchlässigen Ton- und Mergelschichten überlagert. Bei etwaigen Wassereinbrüchen bildet sich in kurzer Zeit eine gesättigte Lauge.“
Damit widerspricht sich der Autor in zwei direkt aufeinander folgenden Absätzen. Entweder kann, wie im ersten Absatz behauptet, „das Risiko eines Wassereinbruchs für die erforderlichen säkularen Zeiträume ausgeschlossen werden“, dann bräuchte man die den Salzstock abdichtenden Ton- und Mergelschichten gar nicht zu erwähnen. Noch nicht mal im Fall eines Erdbebens. Oder man war sich schon 1979 der Sache mit dem Salz doch nicht sicher. Dann musste man zur Beruhigung der Bürger auf „die vielen wasserundurchlässigen Ton- und Mergelschichten“ verweisen.
Das ganze Propagandagerede des Atom-Clubs hat sich erneut als irreführend und gravierend falsch erwiesen.
Salzbergwerke sind weder wasser- noch gasdicht. Schon vor einem Jahr hat die Gruene Jugend Niedersachsens auf eindringendes Wasser und auf das drohende Absaufen von Asse II hingewiesen. Nichts ist passiert. Erst nachdem durchgesickert ist, dass das eingebrochene Wasser inzwischen radioaktiv kontaminiert ist, ergo schon die verrosteten, in die Kavernen gekippten Atommüllfässer umspült und ausgelaugt hat, erst da rafft sich der Betreiber auf, die Wahrheit einzugestehen. Das Endlagerkonzept im Salz ist gescheitert.
Jetzt ist guter Rat teuer. Zumindest die Fässer mit den mittelradioaktiven Abfällen müssten aus der Asse II wieder herausgeholt und woanders gelagert werden. Das wird gigantische Kosten verursachen, denn die Fässer sind schön tief eingebuddelt, die Standsicherheit des Bergwerks wäre durch die Rückholaktion eventuell gefährdet. Wir Stromkunden dürfen die Aktion wieder bezahlen, denn die Energieversorger werden die Umbettungsaktion und die Kosten für ein neues Endlagerkonzept (das Wievielte?) auf den Strompreis hauen.
Mit dem Scheitern der Einlagerung im Salzbergwerk Asse II ist zugleich der Salzstock Gorleben als potentielles Atommüll-Endlager erledigt. Am 16. Mai 1979 hatte der damalige Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht zum geplanten „Nuklearen Entsorgungszentrum Gorleben“ noch getönt: „Die Landesregierung hat sich davon überzeugt, dass die Endlagerung radioaktiver Abfälle in einem geeigneten Salzstock kein Risiko für die jetzt lebenden und die unmittelbar darauf folgenden Generationen mit sich bringt.“
Ich habe vor ein paar Jahren in meiner Küche einen privaten Gorleben-Endlagertest gemacht. Ein Kollege hatte mir aus Gorleben ein Stück Bohrkern aus dem Salzstock mitgebracht. Das habe ich auf einen Teller gestellt und mit einer halben Tasse Wasser begossen. Der stolze Salzstein-Bohrkern, äußerlich scheinbar gehärtet und glänzend wie ein Halbedelstein, schrumpelte förmlich vor meinen Augen dahin und bildete an seinem Fuß einen breiten Kranz von Salzlauge. Das zermürbte Gebilde bröckelt jetzt vor sich hin und taugt noch nicht einmal mehr als Briefbeschwerer.
rhbl - 24. Jun, 19:31

Irgendwie überrascht mich diese Panne überhaupt nicht... daß es so kommen würde, war nur eine Frage der Zeit...
Aber was soll's... sind ja nur noch so 500.000 Jahre, die das Zeug (das Plutonium) leise vor sich hin strahlt... das sitzen zukünftige Generationen doch locker auf einer (Gesäss)backe ab... oder auf zwei oder drei... bei entsprechender Mutationsrate...
Wie hat es der Herr Albrecht so treffend gesagt:
"...kein Risiko für die jetzt lebenden und die unmittelbar darauf folgenden Generationen..."
Lies: die UNMITTELBAR darauf folgenden...
Daß kein Risiko für spätere Generationen besteht... das hat er nie behauptet... wohlweislich...
Man muss halt nur zwischen den Zeilen lesen...
Die Bibel hatte doch recht: es GIBT die Erbsünde!
Unsere unschuldigen Nachkommen werden unsere Sünden büssen müssen... bis in die siebte x siebte x siebte x siebte x siebte x siebte Generation... mindestens!
Bei der Menge an Uran und Plutonium würde es mich nicht mal wundern, wenn es irgendwann zu einer spontanen atomaren Kettenreaktion kommen würde... aber egal, bis dahin haben wir uns wahrscheinlich ohnehin längst selbst ausgelöscht...
Viele Grüße
Aurisa