AREVA gerät in Kettenreaktion der Kritik
rhbl
Nach dem Versickern von mindestens 74 kg Uran bei SOCATRI, der AREVA-Tochtergesellschaft zur Behandlung nuklearer Abfälle, in den Böden und im Grundwasser der Umgebung der Atomanlage Tricastin an der Rhone und dem Bruch einer Rohrleitung in einer Brennstabfabrik bei Grenoble stehen die Betreiber der Atomkraftwerke und Atomanlagen in Frankreich im Kreuzfeuer der Kritik. 70 Prozent der Franzosen glauben der Regierung nichts mehr bei nuklearen Zwischenfällen.
Das hätten sich die Mitglieder des gottgleichen Atomclubs nie träumen lassen, dass sie einmal in Gottes eigenem Land höchstselbst unter die Räder der kritischen Massen geraten könnten, dass ihnen aus den Medien eine Kettenreaktion der Kritik entgegenschlagen würde.
Aber so ist das nun mal, wenn die Kluft zwischen Scheinheiligkeit und Realität, zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu groß wird. Da hatte die Regierung Sarkozy noch 2007 in ihrem pompösen Umweltbericht „rapport general legrenelle-environnement“ (pdf, auf Seite 36) großspurig verkündet, die Information des Verbrauchers sei eine der wichtigsten Maßnahmen, um den Konsumenten zum Mitmachen beim Kampf gegen den Klimawandel zu motivieren. Der Verbraucher müsse in Sachen CO2, Energie und Klima Zugang zu anschaulichen, detaillierten Informationen erhalten, die an seinen Verständnishorizont angepasst sein müssten (er müsse nicht ein wissenschaftlicher Experte werden).
Aber als es bei dem Störfall in der Atomanlage Tricastin, wo auf einer Fläche von nur 3,5 km x 750 m das chemische und atomare Katastrophenpotential Frankreichs am dichtesten versammelt ist, am 07. Juli 2008 abends um 23 Uhr um schnelle Information der Bevölkerung ging, war niemand da, der den Mund aufmachte. So kam es, dass am anderen Tag die badenden Touristen und die Kinder der Anwohner der Atomanlage erst nach 14:00 Uhr von Polizisten aus den mit strahlendem und giftigem Uran kontaminierten Badeteichen und Flüsschen geholt wurden. Die Atomzentrale und die beiden Atomaufsichtsbehörden ASN und IRSN, die merkwürdigerweise nahezu die gleichen Kontrollaufgaben haben, waren fast 14 Stunden feige auf der üblen Nachricht von der radioaktiven Verseuchung des Grundwassers im schönen Rhonetal sitzengeblieben.
Im einzigen Gasthof in LAPALUD, einem Örtchen direkt gegenüber der Atomzentrale, wunderten sich mittags die uninformierten lokalen Gäste des Restaurants, dass die "Stammesser", die Ingenieure aus der Atomzentrale gegenüber, beim Mittagessen plötzlich kein Leitungswasser aus Karaffen wie üblich, sondern Selterswasser aus Flaschen verlangten. Erst Stunden später erreichte die Kunde vom Störfall auch die lokalen Anwohner von LAPALUD. Da war die Wut groß.
Solange in Frankreich das i n z e s t u e u s e Verhältnis von friedlicher und unfriedlicher Nutzung der Kernenergie nicht beseitigt wird, das dort alle mit Nuklearfragen befassten Institutionen belastet, kann es weder beim Strahlenschutz der Bevölkerung noch im Betrieb der Atomanlagen die geforderte T r a n s p a r e n z geben. Die militärische Geheimhaltung bei den Atomwaffen bedingt so undemokratische Aufsichtsgremien wie die ASN. Die wurde erst 2006 von Präsident Chirac aufgrund eines eigens dafür erlassenen „Transparenzgesetzes“ eingerichtet. Das undurchsichtige Gremium von 413 Mitarbeitern und einem Jahresetat von 50 Millionen Euro geriet sofort wegen seiner personellen Besetzung unter Beschuss.
Die NGO Criirad stellte damals in einer Klageschrift
„Analyse de la loi du 13 juin 2006 relative à la transparence et à la sécurité en matière nucléaire“ fest, dass einer der fünf ASN-Kommissare, Marc Sanson, keine der gesetzlich geforderte Kompetenzen im Bereich der Kernenergie und des Strahlenschutzes hatte. Dafür war der ENA-Absolvent, gelinde gesagt, ein ziemlich bunter Hund, der seine Karriere in der französischen Botschaft in Teheran startete und danach so ziemlich alles an Jobs durchlief, was einen Scharlatan auf den Pariser Teppichetagen im Gerede hält. Die Criirad Klage gegen die ASN-Einrichtung (wegen Machtmißbrauch) scheint noch zu anhängig zu sein.
Schaut man sich die Analyse des ASN-Auftrags von Criirad genau an, wird schnell klar, dass die militärische Nutzung der Kernenergie in Frankreich undurchsichtige Einrichtungen wie ASN, deren Mitglieder in erster Linie zum Schweigen verpflichtet sind, erforderlich macht.
Solange es in Frankreich ein halbes Dutzend Atom-UBoote mit je sechzehn Atomraketen gibt, deren jeweilige Mission höchster Geheimhaltung unterliegt, und deren Brennstabfabrikation z.B. in Pierrelatte oder bei Grenoble logistisch mit der Fabrikation von Brennstoffen für den zivilen Bereich verknüpft ist, wird sich an dem undurchsichtigen Charakter der nuklearen Gesamtorganisation in Frankreich schon aus strategischen, sicherheitspolitischen Gründen nichts ändern.
Genauso wenig, wie der Oberbefehl über die militärische Komponente der Atomkraft, die nuklearen Abschreckung, teilbar ist, genauso wenig zugänglich für die demokratische Willensbildung und Kontrolle ist de facto der Organisationsrahmen des gesamten Nuklearkreislaufs, vom Abbau des Uranerzes, über die Atomfabriken zur Herstellung der Brennstäbe oder Atombomben, bis zu den Atomkraftwerken, den Wiederaufarbeitungsanlagen bis zum - immer noch nicht vorhandenen – Endlager*. Weil wegen der engen Verknüpfung und Koppelung der Prozesskomponenten in den Atomfabriken jeder Einblick in die „friedlichen“ Prozesse eben immer zu einem bestimmten Bruchteil auch ein Einblick in die „militärische“ Produktion sein könnte.
Deswegen wird, wie überall auf der Welt, das "zivile" Publikum gezielt unwissend gehalten und bleibt von den interessanten Produktionsprozessen ausgesperrt. Für die Abgeordneten und das allgemeine Publikum macht der Atomclub seit sechzig Jahren Theater, führt die Bürger und die Aufsichtsbehörden an der Nase rum und verjubelt die im militärischen Bereich kaum kontrollierbaren, horrenden Staatsgelder. Das wäre in Zeiten des Überflusses ja noch zu verschmerzen aber jetzt beginnen sieben magere Jahre...
Obendrein verseucht die Atom-Mafia überall auf höchst kriminelle Weise die Umwelt. Die Umweltverschmutzung durch die radioaktiven Ableitungen der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague werden nur noch von der Anlage in Sellafield (UK) übertroffen. Tricastin ist mit seinen dubiosen Deponien (700 t Abfall sind lt. Criirad auf dem Gelände versteckt) immer wieder ins Gerede gekommen. Die gemischt militärisch/zivile Atomanlage wurde bisher aber stets "von oben" gedeckt.
Die Radioaktivität der Abfälle kann man nicht sehen, hören, riechen oder schmecken, höchstens fühlen, wenn der radioaktive Zerfall genügend Wärme erzeugt. Meßgeräte zur Messung der Radioaktivität lassen sich mit Leichtigkeit manipulieren und werden oft manipuliert.
Bei Besichtigungen führt die Atomlobby stets eine blitzsaubere Scheinwirklichkeit vor. Gern werden da brillante, virtuelle Computersimulationen präsentiert. Der Computer, der wichtigste Rechenknecht der Atom-Mafia, ohne den es die Atombombe nicht gegeben hätte, hilft, der Zivilgesellschaft im Internet eine geordnete, nukleare Welt vorzugaukeln.
Der Kern der Atomwirtschaft, die militärische Anwendung, entzieht sich bis heute allen demokratischen Willensbildungsprozessen. Schlimmer noch, die Existenz der Atombombe, ja schon das Vorhandensein von Atomanlagen, führt im Zeitalter des Weltbürgerkriegs dazu, dass sich Atomwaffenstaaten zügig in Überwachungs- und Polizeistaaten verwandeln.
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*Die CSU hat sich gerade zur Verlängerung der Laufzeiten für die dt. AKW bekannt.
Hoffentlich wissen die CSU-Delegierten, dass die einzigen Granitformationen, die für ein deutsches Atomendlager in Betracht kommen, in den bayerischen Alpen liegen. Adieu, Tourismus in Bayern!
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Nach dem Versickern von mindestens 74 kg Uran bei SOCATRI, der AREVA-Tochtergesellschaft zur Behandlung nuklearer Abfälle, in den Böden und im Grundwasser der Umgebung der Atomanlage Tricastin an der Rhone und dem Bruch einer Rohrleitung in einer Brennstabfabrik bei Grenoble stehen die Betreiber der Atomkraftwerke und Atomanlagen in Frankreich im Kreuzfeuer der Kritik. 70 Prozent der Franzosen glauben der Regierung nichts mehr bei nuklearen Zwischenfällen.
Das hätten sich die Mitglieder des gottgleichen Atomclubs nie träumen lassen, dass sie einmal in Gottes eigenem Land höchstselbst unter die Räder der kritischen Massen geraten könnten, dass ihnen aus den Medien eine Kettenreaktion der Kritik entgegenschlagen würde.
Aber so ist das nun mal, wenn die Kluft zwischen Scheinheiligkeit und Realität, zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu groß wird. Da hatte die Regierung Sarkozy noch 2007 in ihrem pompösen Umweltbericht „rapport general legrenelle-environnement“ (pdf, auf Seite 36) großspurig verkündet, die Information des Verbrauchers sei eine der wichtigsten Maßnahmen, um den Konsumenten zum Mitmachen beim Kampf gegen den Klimawandel zu motivieren. Der Verbraucher müsse in Sachen CO2, Energie und Klima Zugang zu anschaulichen, detaillierten Informationen erhalten, die an seinen Verständnishorizont angepasst sein müssten (er müsse nicht ein wissenschaftlicher Experte werden).
Aber als es bei dem Störfall in der Atomanlage Tricastin, wo auf einer Fläche von nur 3,5 km x 750 m das chemische und atomare Katastrophenpotential Frankreichs am dichtesten versammelt ist, am 07. Juli 2008 abends um 23 Uhr um schnelle Information der Bevölkerung ging, war niemand da, der den Mund aufmachte. So kam es, dass am anderen Tag die badenden Touristen und die Kinder der Anwohner der Atomanlage erst nach 14:00 Uhr von Polizisten aus den mit strahlendem und giftigem Uran kontaminierten Badeteichen und Flüsschen geholt wurden. Die Atomzentrale und die beiden Atomaufsichtsbehörden ASN und IRSN, die merkwürdigerweise nahezu die gleichen Kontrollaufgaben haben, waren fast 14 Stunden feige auf der üblen Nachricht von der radioaktiven Verseuchung des Grundwassers im schönen Rhonetal sitzengeblieben.
Im einzigen Gasthof in LAPALUD, einem Örtchen direkt gegenüber der Atomzentrale, wunderten sich mittags die uninformierten lokalen Gäste des Restaurants, dass die "Stammesser", die Ingenieure aus der Atomzentrale gegenüber, beim Mittagessen plötzlich kein Leitungswasser aus Karaffen wie üblich, sondern Selterswasser aus Flaschen verlangten. Erst Stunden später erreichte die Kunde vom Störfall auch die lokalen Anwohner von LAPALUD. Da war die Wut groß.
Solange in Frankreich das i n z e s t u e u s e Verhältnis von friedlicher und unfriedlicher Nutzung der Kernenergie nicht beseitigt wird, das dort alle mit Nuklearfragen befassten Institutionen belastet, kann es weder beim Strahlenschutz der Bevölkerung noch im Betrieb der Atomanlagen die geforderte T r a n s p a r e n z geben. Die militärische Geheimhaltung bei den Atomwaffen bedingt so undemokratische Aufsichtsgremien wie die ASN. Die wurde erst 2006 von Präsident Chirac aufgrund eines eigens dafür erlassenen „Transparenzgesetzes“ eingerichtet. Das undurchsichtige Gremium von 413 Mitarbeitern und einem Jahresetat von 50 Millionen Euro geriet sofort wegen seiner personellen Besetzung unter Beschuss.
Die NGO Criirad stellte damals in einer Klageschrift
„Analyse de la loi du 13 juin 2006 relative à la transparence et à la sécurité en matière nucléaire“ fest, dass einer der fünf ASN-Kommissare, Marc Sanson, keine der gesetzlich geforderte Kompetenzen im Bereich der Kernenergie und des Strahlenschutzes hatte. Dafür war der ENA-Absolvent, gelinde gesagt, ein ziemlich bunter Hund, der seine Karriere in der französischen Botschaft in Teheran startete und danach so ziemlich alles an Jobs durchlief, was einen Scharlatan auf den Pariser Teppichetagen im Gerede hält. Die Criirad Klage gegen die ASN-Einrichtung (wegen Machtmißbrauch) scheint noch zu anhängig zu sein.
Schaut man sich die Analyse des ASN-Auftrags von Criirad genau an, wird schnell klar, dass die militärische Nutzung der Kernenergie in Frankreich undurchsichtige Einrichtungen wie ASN, deren Mitglieder in erster Linie zum Schweigen verpflichtet sind, erforderlich macht.
Solange es in Frankreich ein halbes Dutzend Atom-UBoote mit je sechzehn Atomraketen gibt, deren jeweilige Mission höchster Geheimhaltung unterliegt, und deren Brennstabfabrikation z.B. in Pierrelatte oder bei Grenoble logistisch mit der Fabrikation von Brennstoffen für den zivilen Bereich verknüpft ist, wird sich an dem undurchsichtigen Charakter der nuklearen Gesamtorganisation in Frankreich schon aus strategischen, sicherheitspolitischen Gründen nichts ändern.
Genauso wenig, wie der Oberbefehl über die militärische Komponente der Atomkraft, die nuklearen Abschreckung, teilbar ist, genauso wenig zugänglich für die demokratische Willensbildung und Kontrolle ist de facto der Organisationsrahmen des gesamten Nuklearkreislaufs, vom Abbau des Uranerzes, über die Atomfabriken zur Herstellung der Brennstäbe oder Atombomben, bis zu den Atomkraftwerken, den Wiederaufarbeitungsanlagen bis zum - immer noch nicht vorhandenen – Endlager*. Weil wegen der engen Verknüpfung und Koppelung der Prozesskomponenten in den Atomfabriken jeder Einblick in die „friedlichen“ Prozesse eben immer zu einem bestimmten Bruchteil auch ein Einblick in die „militärische“ Produktion sein könnte.
Deswegen wird, wie überall auf der Welt, das "zivile" Publikum gezielt unwissend gehalten und bleibt von den interessanten Produktionsprozessen ausgesperrt. Für die Abgeordneten und das allgemeine Publikum macht der Atomclub seit sechzig Jahren Theater, führt die Bürger und die Aufsichtsbehörden an der Nase rum und verjubelt die im militärischen Bereich kaum kontrollierbaren, horrenden Staatsgelder. Das wäre in Zeiten des Überflusses ja noch zu verschmerzen aber jetzt beginnen sieben magere Jahre...
Obendrein verseucht die Atom-Mafia überall auf höchst kriminelle Weise die Umwelt. Die Umweltverschmutzung durch die radioaktiven Ableitungen der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague werden nur noch von der Anlage in Sellafield (UK) übertroffen. Tricastin ist mit seinen dubiosen Deponien (700 t Abfall sind lt. Criirad auf dem Gelände versteckt) immer wieder ins Gerede gekommen. Die gemischt militärisch/zivile Atomanlage wurde bisher aber stets "von oben" gedeckt.
Die Radioaktivität der Abfälle kann man nicht sehen, hören, riechen oder schmecken, höchstens fühlen, wenn der radioaktive Zerfall genügend Wärme erzeugt. Meßgeräte zur Messung der Radioaktivität lassen sich mit Leichtigkeit manipulieren und werden oft manipuliert.
Bei Besichtigungen führt die Atomlobby stets eine blitzsaubere Scheinwirklichkeit vor. Gern werden da brillante, virtuelle Computersimulationen präsentiert. Der Computer, der wichtigste Rechenknecht der Atom-Mafia, ohne den es die Atombombe nicht gegeben hätte, hilft, der Zivilgesellschaft im Internet eine geordnete, nukleare Welt vorzugaukeln.
Der Kern der Atomwirtschaft, die militärische Anwendung, entzieht sich bis heute allen demokratischen Willensbildungsprozessen. Schlimmer noch, die Existenz der Atombombe, ja schon das Vorhandensein von Atomanlagen, führt im Zeitalter des Weltbürgerkriegs dazu, dass sich Atomwaffenstaaten zügig in Überwachungs- und Polizeistaaten verwandeln.
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*Die CSU hat sich gerade zur Verlängerung der Laufzeiten für die dt. AKW bekannt.
Hoffentlich wissen die CSU-Delegierten, dass die einzigen Granitformationen, die für ein deutsches Atomendlager in Betracht kommen, in den bayerischen Alpen liegen. Adieu, Tourismus in Bayern!
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rhbl - 19. Jul, 11:07
