Donnerstag, 18. September 2008

Heute Lehman, Morgen Stanley...

rhbl

Kaum tappen wir in die schwerste Finanzkrise seit 1929 (Hickel), schon bemüht sich die heroische Journaille, die gestern noch den Finanzbetrügern der Wallstreet und Londoner City applaudierte, uns über die Hintergründe des Debakels aufzuklären.

Bei „hart aber fair“ hatte Frank Plasberg gestern Abend einen illustren Kreis von Keksperten geladen, die uns die „komplexen“ Zusammenhänge verdeutlichen sollten. Anja Kohl („jedes Zertifikat ist anders“), die bisher im TV jeden Tag die kleinen Leute mit flotten Sprüchen dazu getrieben hat, sich an der „Börse“ zu engagieren, gerierte sich plötzlich als Interessenwahrerin der Enttäuschten und Betrogenen.

Herr Kopper von der Deutschen Bank („Wer geht hinter dem ersten Tank, das ist Herr … von der … Bank“, hieß es noch 1939) verteidigte die Ehre der deutschen Banker und distanzierte sich von dem System der „angloamerikanischen Investmentbanker, das vor dreißig Jahren in den USA entwickelt worden ist“ (sic!).

Ausgerechnet Finanzminister a. D. Eichel, der die Heuschrecken mit Gerhard Schröders kriminellen Investmentmodernisierungsgesetz vom 15. Dezember 2003 ins Land gelassen hatte und seinen mosaischen Betbrüdern den Handel mit faulen US-Ramschpapieren nach Art strafbarer Kettenbriefsysteme mit dem 4. Finanzmarktförderungsgesetz vom 14. November 2001 in Deutschland erst ermöglicht hatte, verwies darauf, dass Inder mit den Finanzbetrügern gar kein Problem hätten, „weil Inder diese Leute gar nicht ins Land gelassen haben“.

Lediglich der Wirtschaftsprofessor Hickel ( „Das System ist falsch, zu wenig reguliert, es wurde mit Zitronen gehandelt“) mutete der Runde und den Fernsehzuschauern ein paar unangenehme Wahrheiten zu. So verwies er auf die Gier der "Banker" als Grund für das Versagen des Bankensystems. Banker würden die Geschäfte, die sie machen, gar nicht verstehen. Ein falsches Anreizsystem für die Bankangestellten habe durch hohe Boni das Gier-Verhalten noch gefördert.

Hier schwoll Kopper der Kamm, doch er wusste zu berichten, dass Goldman Sachs seinen Mitarbeitern letztes Jahr in toto 26 Milliarden Dollar an Boni ausgezahlt habe. Im übrigen "hat die Bankenaufsicht (Bafin) absolut versagt".

Nach so einem vernichtenden Urteil von Kopper sollte der Versager Steinbrück allerdings heute noch seinen Schreibtisch ausräumen und zurücktreten. Der Zorn des Volkes lässt es angeraten sein, dass Steinbrück sofort inkognito nach Vanuatu oder an einen gleich entlegenen Platz auf der anderen Seite der Erdhalbkugel ausreist, damit er nicht in den nächsten Tagen von wütenden, betrogenen Familienvätern, denen die US-Finanzbetrüger Haus und Grund abgejagt haben, in Berlin auf der Straße erschlagen wird.

Plasberg wusste noch zu ergänzen, dass die faulen Immopapiere der Amis wie Wundertüten über die ganze Welt wandern (die Papiere "wandern" nicht von selbst, es gibt jede Menge Betrüger in den Sparkassen und Banken, die sie aus den USA entgegennehmen und an uninformierte Bürger unseres Staates "verkauft" haben. Die Staatsanwälte, die sonst bei strafrechtlich verbotenen Kettenbriefsystemen sofort einschreiten, blieben wohl auf einen Wink der unterwanderten deutschen JustizminsterInnen hin untätig, d. Verf.).

Ex-Innenminister Baum durfte von einer armen Familie berichten, der rauhbeinige Heuschrecken wie Lonestar die Bude über dem Kopf zwangsversteigert hätten, nachdem zwei Raten nicht ganz rechtzeitig an die Hypothekenbank/Sparkasse überwiesen worden waren. Sowas gab es vor 1989 in Deutschland auch nicht. Lonestar macht sich dank Herrn Steinbrücks cleverer Verkaufsstrategie jetzt via IKB an die Vernichtung des deutschen Mittelstands.

Kurz, es war ein bunter Abend, an dem es nur ein Tabu gab. Über die wahren Schuldigen an der Weltwirtschaftskrise II, über die Milchmädchen, durfte nicht gesprochen werden. Heute habe ich die Online-Veröffentlichungen der großen deutschen Zeitungen auf diesen Begriff hin untersucht und festgestellt, dass das Wort nirgends vorkommt. Selbst in Heuers aufklärerischen Artikel in ZEIT ONLINE, Nr. 39/2008: „Der tägliche Crash, Die Krise hat ihren Höhepunkt erreicht: Ist der Finanzkapitalismus am Ende?“ werden immer nur die „Banker“ beschuldigt. Ersetzt man mit der „Suchen/Ersetzen“ - Funktion der Textverarbeitung das Wort „Banker“ durch „Milchmädchen“, so fällt es einem wie Schuppen von den Augen.

Atheisten, die zu Vorurteilen neigen, könnten an dieser Stelle verallgemeinernd die Angehörigen großer Weltreligionen wie „Christen“, „Muslime“ oder „Juden“ einsetzen. Ersetzte man in böser antisemitischer Absicht „Banker“ z.B. durch „Juden“, wovon Scusi ausdrücklich abrät, weil das als rassistischer, judenfeindlicher Akt ausgelegt werden könnte, würden die ersten beiden Absätze in Heuers Artikel so aussehen:

„Erst platzte nur die Immobilienblase, und das war schlimm genug. Doch jetzt birst eine viel größere Blase – die des angelsächsischen Finanzkapitalismus selbst. Aufgepumpt durch die Gier der Juden, das billige Geld der US-Zentralbank und unverantwortlich handelnde Politiker, ist er zum instabilen Gebilde mutiert.

Der Finanzsektor in den USA griff sich einen unnatürlich großen Teil vom gesamten Kuchen. Man muss sich das einmal vorstellen: Zwischen 1982 und 2007 hat sich der Anteil der Gewinne der US-Finanzindustrie an der Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten versechsfacht. Am Ende rissen die Juden ein Drittel aller Unternehmensgewinne an sich. Erst standen hinter der Entwicklung echte Innovation und Leistung, sei es durch neue Finanzprodukte oder geschickte Spekulation. Doch dann schlug die Methode in Wahnsinn um. Die Juden verscherbelten unsichere Kredite als Spitzenware, wurden reich und reicher – und entzogen sich selbst den Boden...“

Wie gesagt, so geht es nicht! Politisch korrekt müsste Heuers Artikel, der zu Unrecht v e r a l l g e m e i n e r n d gegen "die Banker" vom Leder zieht, meines Erachtens so anfangen:

"Erst platzte nur die Immobilienblase, und das war schlimm genug. Doch jetzt birst eine viel größere Blase – die des angelsächsischen Finanzkapitalismus selbst. Aufgepumpt durch die Gier der Milchmädchen, das billige Geld der US-Zentralbank und unverantwortlich handelnde Politiker, ist er zum instabilen Gebilde mutiert.

Der Finanzsektor in den USA griff sich einen unnatürlich großen Teil vom gesamten Kuchen. Man muss sich das einmal vorstellen: Zwischen 1982 und 2007 hat sich der Anteil der Gewinne der US-Finanzindustrie an der Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten versechsfacht. Am Ende rissen die Milchmädchen ein Drittel aller Unternehmensgewinne an sich. Erst standen hinter der Entwicklung echte Innovation und Leistung, sei es durch neue Finanzprodukte oder geschickte Spekulation. Doch dann schlug die Methode in Wahnsinn um. Die Milchmädchen verscherbelten unsichere Kredite als Spitzenware, wurden reich und reicher – und entzogen sich selbst den Boden..."

Sieht doch gleich viel besser aus, oder? Milchmädchen können sich auch nicht wehren, haben keine Atomwaffen, keine globale Lobby, kein Geld, keine Medienmaschine und vor allem: keine Abmahn-Rechtsanwälte.
Dick (Gast) - 18. Sep, 13:30

Alte Volksweisheit

Bei uns auf'm Dorf hieß es früher: "Datt oß n Jytt" oder "Batt n Jytt!"
"Batt n Jytt" stand synonym für einen Lygner und Betryger.

Ich hatte damals 6, 7 Jahre staatliche Gehirnwäsche intus und dachte: Oh mein Gott, die armen Luden, die armen Luden…

Die wahre Natur des Luden habe ich erst am 11. September erkannt.


http://www.911missinglinks.com/



http://de.wikipedia.org/wiki/Zuhälter

Ein Lude oder Zuhälter ist eine Person, die Prostituierte für sich arbeiten lässt und von deren Einnahmen lebt…


Dick Handsome

Medicus (Gast) - 19. Sep, 15:37

Zockerstaat der Unantastbaren

Zwei Lesermeinungen aus der Faz passen gut hierher:

"Der Zockerstaat
Ullrich Mies (Anninette)
Das ist klassischer staatsmonopolitischer Kapitalismus der reinen Art: Der Staat macht sich zum Pleitestaat, verarmt ganze Bevölkerungsschichten und garantiert Kriminellen und Zockern ein risikofreies Überleben. Das ist der Stoff aus dem Bürgerkriege erwachsen.
19. September 2008 14:16
Babcock Borsig wurde abgewickelt, als am Ende eine schlichte Milliarde fehlte...
F. Schiller (schiller12)
das war das Ende eines ehemaligen Dax-Konzernes, eines produktiven Unternehmens. Dagegen handeln die Lehmans dieser Welt ohne jede Wertschöpfung immer unsinnigere Produkte zu steigenden Preisen im Kreis. Als dem letzten Dummen das Geld ausging , brach das System zusammen. Nun greifen die Unantastbaren in die Staatskasse. OK steht für "In Ordnung", OK steht aber auch für "Organisierte Kriminalität"."

citizennet (Gast) - 8. Okt, 09:23

Übersicht zu erstellen über Finanzhilfen

Versuche gerade eine Übersicht zu erstellen über Finanzhilfen, die von der BRD oder den Ländern getätigt wurden. Siehe citizennet.wordpress.com/finanzkrise
Suche hierzu noch Zahlen, Kostenschätzungen und sonstige Quellen.

scusi!

Die Welt ist eine Bühne, auf der ein jeder seine Possen agieret und hin und her tanzet, bis dass ihn unser aller Herr und Meister hinwegberufet. (G.Chr. Lichtenberg)

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