Mittwoch, 1. Oktober 2008

300 Mrd. Euro, um bucklige Bankiers in Europa zu stützen?

rhbl

Was für uns eine Krise ist, sehen Typen wie Sarkozy und die Seinen als Chance.

Da verbreitete doch ein Buckliger am Nachmittag in Brüssel das Gerücht, Sarkozy wolle ein 300 Milliarden Euro "Rettungsprogramm" zur Stützung notleitender Banken in Europa organisieren. Rotzfrech diese Typen. Und wer geht bei dieser Attacke auf die kleinen Steuerzahler mal wieder hinter dem ersten Tank? Das ist der Ackermann von der Deutschen Bank. Seit seinem Victory-Zeichen im Mannesmann-Skandal sollte sich der Gnom von der Frankfurter Zeil besser zurückhalten. Er wird scharf beobachtet.

Sarkozy hat natürlich inzwischen die Sache mit dem 300 Mrd. "Rettungsprogramm" eilig dementieren lassen. Es war wohl nur ein transsylvanischer Versuchsballon, um die Blödheit der Bevölkerung zu testen.

Jeder weiß, in was für volatilen Zeiten wir leben. Da muss man die Gerüchteküche am Giftbaum Börse nicht auch noch von amtlicher Seite unnötig anheizen. Das ist ja wohl das Gegenteil von „good governance“ in Gottes eigenem Land. Apropos Gott, es fällt auf, dass sich kirchliche Würdenträger zu den wüsten Finanzbetrügereien an den Börsen immer noch nicht einschlägig geäußert haben. Natürlich erwarten wir nicht, dass morgen früh die Lasterhöhlen des Mammons geschlossen werden und die katholische oder evangelische Kirche die Führung des Wirtschaftslebens übernimmt.

Aber zu erwarten wäre doch zumindest, dass die Kirche sich deutlicher zu Wort meldet. Heute ist mehr denn je die Institution gefordert, die für alle Gebiete des menschlichen Zusammenlebens unverrückbare sittliche Normen verkündet und verteidigt. Gerade in der Endphase des überbordenden, entfesselten Raubtierkapitalismus und in aufkommender sozialer Not und Bedrängnis, wo Millionen ihre letzten Ersparnisse zu verlieren drohen, brauchen die Menschen Halt, Zuspruch und klare Wertorientierung.

Die Verkündigungen der Kirchenführer müssten eigentlich „als Leuchttürme aus dem stürmischen Meer der sozialen Probleme hervorragen“. Das jedenfalls forderte in ähnlicher Krisenlage Nuntius Pacelli 1927 auf dem 66. Katholikentag in Dortmund. Wie verderblich das Abweichen von sittlichen Grundsätzen auch auf wirtschaftlichem Gebiet ist, erfahren wir ja nicht erst seit gestern. Finanzmärkte sind keine moralfreie Zone. Wenn die westliche Hemisphäre seit Jahrzehnten von einer im Hintergrund wirkenden Kaste gottloser Bankiers, Industrieller und Militärs beherrscht wird, die das Licht der Öffentlichkeit scheut, "wenn Politik so arbeitet, als ob es Gott nicht gäbe" (Kardinal Bertone), dann wird es Zeit für die Kirche, ein außerordentliches Zeichen gegen die herrschenden Zustände, n a m e n t l i c h gegen die herrschende Plutokratie zu setzen.

Nachhaltigen Widerstand gegen die Hehler und Stehler, gegen die Betrüger und Raubkapitalisten von Wallstreet und Londoner City leisten bislang nur die politischen Parteien auf der Linken. In Paris sind das vor allem die PS (Sozialistische Partei) und die französischen Kommunisten (PCF). Zusammen mit der Parti radical de gauche (PRG) und dem Mouvement républicain et citoyen (MRC) hat diese informelle „französische Linke“ heute Mittag nachdrücklich die Regierung aufgefordert, in der Assemblée Nationale (Nationalversammlung) und im Senat eine geordnete Debatte über die schwere Finanzkrise zu organisieren, die von den USA jetzt auf Europa übergreift.

Ich habe der Fieberkurve des französischen Aktienindex (CAC 40 vom 01.10.08) zum Spaß mal über den Tag ein paar politische Äußerungen aus der Pariser Debatte nach der Chronologie der Zeitung Libération zugeordnet :


CAC40
Spekulation als Waffe, der Mechanismus der Erpressung in der Finanzkrise:
Sowie sich Kritik äußert, fluten Spekulanten den Markt mit Ramschpapieren, die Kurse fallen und die Regierung wird durch die scheinbar sich zuspitzende "Krise" weiter unter Druck gesetzt



Berücksichtigt habe ich in diesem Diagramm:

- Juncker`s Erklärung zur Abschwächung der Konjunktur (08:58 Uhr),

- die Forderung der „französischen Linken“ nach einer "organisierten Debatte" im Parlament (11:52 Uhr),

- die Ankündigung eines franz. Regierungssprechers, dass in Frankreich jetzt die Managergehälter begrenzt werden sollen, vor allem der Goldene Handschlag beim Abgang (14:00 Uhr),

- Putins Kritik an den USA als einem zur Führung in allen Bereichen unfähigen System (14:46 Uhr),

- den extrem harschen Angriff des PS-Sprechers Hamon, der Sarkozy vorwarf, erst habe die Regierung Frankreichs die Finanzkrise nach Art der Tschernobyl-Wolke verharmlost, um jetzt in blinden Aktionismus zu verfallen und zu versuchen, den Bankern und Reichen die Milliarden vorne und hinten reinzustecken, während der gemeine Mann auf der Straße nicht nur leer ausgeht, sondern über seine Steuergroschen die Milliarden-Rettungsprogramme auch noch bezahlen soll (16:12 Uhr).

Wird Zeit, dass sich die Kirche mal d e u t l i c h gegen "das Böse" zu Wort meldet. Wir vermissen ein klares Wort von Papst Benedikt XVI. zu Fehlentwicklungen in "Bankenkreisen". Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass einer von diesen Investmentbankern in den Himmel kommt.

Höchste Eisenbahn, dass sich die Linke europaweit verschärft in die Debatte einmischt und konkreten Widerstand leistet.

Bevor sich die üblichen Verdächtigen, die raffgierigen Börsenzocker von Goldman Sachs & Konsorten unter dem Vorwand der vorgeblich "apokalyptischen Finanzkrise" auch noch die letzten Stücke vom Brot erpresserisch unter den Nagel gerissen haben:

700 Mrd. Dollar! und zwar gleich!

Und der Rest der Welt hungernd und frierend im Regen steht.
.

scusi!

Die Welt ist eine Bühne, auf der ein jeder seine Possen agieret und hin und her tanzet, bis dass ihn unser aller Herr und Meister hinwegberufet. (G.Chr. Lichtenberg)

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